HexenHurenHenker

Von unschuldigen Huren, schlecht treffenden Henkern und Hexen mit Schutz von ganz oben

 

Mit einem ungewöhnlichen Thema hat sich Wismars Stadtarchivar Dr. Nils Jörn beschäftigt. Der Historiker schreibt im zweiten Band zur Wismargeschichte aus dem Archivverein über die Wismarer Hexen, Huren und Henker.

Ein dummer Zufall ist schuld, dass Nils Jörn ausgerechnet mal zu diesem Thema im Archiv gestöbert und geforscht hat. Er ist vor Jahren – damals noch als recherchierender Gast in Wismar und im Archiv – aus Versehen in der falschen Pension abgestiegen. In Hafennähe. Sorgte für Verwunderung, als er ein Zimmer gleich für drei Nächte wollte. Mit Frühstück. Und wunderte sich dann selbst über die Geräusche und den „Publikumsverkehr“ morgens um 2.
Bei den Kollegen im Archiv sorgte die Geschichte für Erheiterung, bei Nils Jörn für die Erkenntnis, dass es in einer Hafenstadt natürlich auch solche Etablissements gibt. Also hat er – ganz der Historiker – zu den Huren in der Wismarer Geschichte geforscht. Und damit das Buch nicht ganz so schlüpfrig wird, auch gleich mit den Hexen und Henkern als weitere „Randgruppe“ im historischen Ständesystem für einen schmissigen Buchtitel gesorgt.

„Man kann davon ausgehen, dass die Huren zu den Ureinwohnern einer Hafenstadt gehörten. Das zieht sich durch die Geschichte. Die Frage war immer, wie reguliert man das Geschäft, ächtet man es oder versucht man es einzudämmen.“ Dass eine Ächtung in einer florierenden Hafenstadt nicht funktionieren würde, war den Stadtoberen in der Wismarer Geschichte klar. „Im 19. Jahrhundert wurden den Wismarer Huren Straßen zugewiesen – da waren die Häuser komplett an Prostituierte vermietet.“ Nah genug am Hafen aber nicht zu zentral, um negativ aufzufallen. „Die Schatterau und die Wallstraße waren das beispielsweise.“ Im Archiv finden sich ganz oft die Bittschriften von betroffenen Damen. „Wenn man die liest, sind das die züchtigsten Blümchen, erst wenn man das mit anderen Quellen vergleicht, kriegt man raus, das da doch was war“, schmunzelt Nils Jörn.
Vergleichsweise ruhig war es um die Hexen in Wismar bestellt. „Die Mecklenburger Hexen hatten es nicht so richtig drauf, die schafften es, das ein Huhn mal zwei Tage kein Ei legt“, lacht Nils Jörn. Wer seinen Schreibstil kennt, weiß, dass  er die historischen Fakten mit vielen aktuellen Bezügen und noch mehr Humor verknüpfen kann und trotzdem die historische Korrektheit wahrt. Er erklärt, wieso es in dieser Region zum Glück nicht zur Hexenhysterie kam. „In den schwedischen Territorien war die Hexenverfolgung verboten, wenn hier eine Frau der Hexerei beschuldigt wurde, hat das Tribunal klug gehandelt und die üble Nachrede heraus gestellt.“ Statt der Hysterie mit Verbrennungen gab es Urteile, dass die Ankläger den Mund zu halten hatten und sich entschuldigen sollten.
Über die Henker in Wismar könnte Nils Jörn mehrere Bände schreiben. Beispielsweise über den, der fast seine Hand verlor, weil er den Kopf nicht „mit einem Streich“ abbekam. „Scharfrichter war ein unehrlicher Beruf, die bringen andere Menschen für Geld um. Man nahm sie nicht als Taufpate, sie wohnten nicht am Markt.“ Dabei war die Aufgabe der Henker wichtig. Sie waren die Gesundheitspolizei einer Region, sammelten „krepiertes Vieh“ von den Straßen, leerten die Latrinen, bestatteten Selbstmörder und erschlugen herrenlose Hunde auf den Straßen. 

 

Wir danken von Herzen:

Der Wismarer Firma "HW Leasing" für ihre großartige und unbürokratische Spende als Zuschuss zu den Druckkosten. Den Fotoschülern - Jugendliche und Erwachsene - der Medienwerkstatt Wismar für ihre Fotos. Wir danken genauso den wunderbar kreativen und engagierten Menschen vom Callidus-Verlag in Wismar - so einfach ist es, Bücher zu machen. DANKE!

Das Buch kostet 10 Euro.