Seemannsgeschichten

Buchpremiere zu den Wismarer Hafentagen

 

Passend zu den Hafentagen hat sich der Wismarer Archivverein etwas besonderes einfallen lassen. Ein Buch voller "Seemannsgarn" - allerdings historisch korrekt - im Gegensatz zu manch einem anderen Seemannsgarn.

Pünktlich zu den Wismarer Hafentagen erscheint der fünfte Band der Schriftenreihe der „Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar e.V.“, kurz Archivverein. Rainer Däbritz, 71 Jahre alt und Kapitän-Leutnant a.D., hat „Wismarer Seemannsgarn von allen sieben Weltmeeren“ aufgeschrieben unter dem Titel „Dem Teufel das Ohr abgesegelt“. Nicht das erste Buch des engagierten Heimatforschers. Und sicher auch nicht das letzte, immerhin könnte er mit seiner Geschichten und Geschichten ganze Bücherregale füllen.
Erstmal sind es „nur“ elf maritime Geschichten mit manch einem Augenzwingern und oft -  nicht immer – mit dem Schauplatz in Wismar. Aber alles Geschichten, von denen die Wismarer in der Zeitung erfahren haben. Däbritz hat zu den 200, 300 Jahre alten Meldungen weiter recherchiert. Beispielsweise zur „Lady Juliana“, dem schwimmenden „Puff“ voller weiblicher Strafgefangene. 1789 sollte mit denen Australien besiedelt werden, männliche Gefangene waren längst da. „Insgesamt waren es 239 Frauen, die für diese Fregatte zur Deportation vorgesehen wurden. Die Älteste soll 68 Jahre gewesen sein, die Jüngste gerade einmal 11 Jahre alt“, so Däbritz. Heute kaum vorstellbar: eingesperrt in dunkle, heiße, feuchte und nach Erbrochenem und Exkrementen riechenden Verschlägen dauerte die Überfahrt von England nach Sydney elf Monate. Unter anderem weil man wegen Fluchtgefahr nicht normal in den Hafen unterwegs liegen konnte, um Frischwasser und Proviant zu holen, so dass jede Tonne Wasser per Ruderboot an Bord gebracht wurde. Und die „Fracht“ des Schiffes sprach sich auch ohne Internet herum – manch eine fremde Schiffsbesatzung verschaffte sich mit Bestechung ein paar illustre Momente an Bord. Das Ergebnis: in Rio ließ der Kapitän Babyausstattung kaufen.
Rainer Däbritz erzählt von den Wismarer Schiffen, als „wandelndes Lexikon“ kann er, so scheint es, zu jedem Namen, zu jeder Reederei, einiges sagen. Beispielsweise die Wismarsche Bark Titan, die vier Jahre, elf Monate und 29 Tage auf Jungfernfahrt war.
Oder der einzige Wismarer Dreimaster, die Bark „Friedrich Franz“. Die lag vor dem russischen Tangarok auf Reede, bei Sturm brach die Ankerkette, die Besatzung konnte sich retten. Aber das Schiff war verloren und nicht mehr gesehen. Spannend, als wäre er selbst mit dabei gewesen, erzählt Däbritz die Ereignisse von damals nach. Eben echtes „Seemannsgarn“ mit großem historischen Kern. Die Bark wurde übrigens Monate später als Geisterschiff wieder gefunden.

Dank eines Druckkostenzuschusses des Wismarer Unternehmens „HW Leasing“ wird fast der ganze Erlös aus dem Buchverkauf helfen, wertvolle Urkunden aus dem Stadtarchiv restaurieren zu lassen.

Das Buch kostet 10 Euro.