Theaterbuch

ChristianRoedig WismarsTheaterlebenNeues Buch aus Wismarer Geschichte

Wismars Theaterleben zwischen Beifallsstürme, Hochrufe und Lorbeerkränze

 

Über Wismars Theaterleben vom Kaiserreich zur Weimarer Republik schreibt Christian Roedig im neusten Buch aus der Geschichte der Hansestadt. Das Buch ist im lokalen Buchhandel und direkt im Archiv für 15 Euro käuflich zu erwerben.

Damit ehrt die Stadt einen großen Wismarer, den die meisten (noch) nicht kennen werden. „Mein Onkel“, erzählt der Autor Christian Roedig, Gymnasiallehrer und Herausgeber von Schulbüchern, Geschichtswerken und didaktischen Hilfsmitteln. Wie ein Würzburger dazu kommt, einem Wismarer viel Recherche und als Ergebnis ein ganzes Buch zu widmen, dass dann noch vom Wismarer Archivverein als so interessant empfunden wird, dass der Druck ermöglicht wird, ist einfach.

Von 1913 bis 1920 wurde das Wismarer Schauspielhaus – damals noch als imposanter Bau an der Mecklenburger Straße – von einem homosexuellen Paar geleitet. „Heinrich Alberts, mein Onkel, war damals 27 Jahre alt“, erzählt der Buchautor. Ein „Familiengeheimnis“ umgab den Bruder seiner Großmutter väterlicherseits. Mit Fritz Bartsch an seiner Seite wurde aus dem „Provinztheater“ eines mit Sommer- und Winterspielzeit, dazu mit einer Naturbühne am Wendorfer Strand. Und das mitten im ersten Weltkrieg. „Ich habe mich mit der Biografie von Alberts beschäftigt und bin auf sein tragisches Lebensschicksal gestoßen. Zuletzt war er 1935 Schauspieldirektor in Kiel. Dort wurde er von der Bühne weg von der Gestapo verhaftet“, fasst Christian Roedig zusammen. Am 18. Dezember erfolgte seine Überführung nach Berlin-Moabit, wo er sich - als Homosexueller verfemt und entrechtet - am 23. Dezember 1935 das Leben nahm. Einen Tag vor Heilig-Abend.
„In Kiel wird im März ein Stolperstein vor der Staatsoper für ihn verlegt“, so Christian Roedig. In Wismar wird das Buch helfen, die Erinnerung an den Mann aufrecht zu halten. „Nur wenige Fälle von Verfolgung durch die Nationalsozialisten aufgrund von Homosexualität sind so gut dokumentiert“, erzählt Christian Roedig.NHTheatergeschichte3Klein

Ihm ist es allerdings nicht allein darum gegangen, ihn als Opfer zu zeigen, sondern besonders als Schauspieler und Theatermann. Er hat den Lebensweg seines Onkels in den Archiven nachverfolgt, war im Bundesarchiv, im Heidelberger und Wismarer Archiv beispielsweise. „In Wismar habe ich einen einmaligen Fund gehoben - in keinem anderen Archiv habe ich so viel über das Theater vor Ort gefunden wie in Wismar“, ist er immer noch begeistert. „Es ist unbestritten, dass die beiden in Wismar ihre glücklichste und erfolgreichste Zeit verbrachten.“

In der Familie Roedig waren die Zusammenhänge unbekannt, Christian Roedig wusste nur, dass der Großmutter von der Gestapo verboten wurde, über den Vorfall zu sprechen. „Man hat ihr gesagt, er war kriminell und hatte Schulden. Sie hat sehr unter seinen Selbstmord gelitten“, so Christian Roedig.

Sieben intensive Jahre Wismarer Theatergeschichte mit der Geschichte über einen vielseitigen Charakterdarsteller und mutigen Theaterdirektor, der auch dem Streit mit den Nationalsozialisten nicht aus dem Weg geht.

 

Infokasten:

Möglich gemacht wurde das Buch dank einer Druckkostenspende vom Wismarer Archivverein, der Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar und des Unternehmens „Bauer-Immobilien“.Wir danken, dass so Wismarer Geschichte am Leben erhalten werden kann.