2013 März Sonderbeitrag Papstwahl

Mittelalterliche Papsturkunden aus dem Stadtarchiv - oder: geht es wirklich nur ums Geld?


Als am Mittwochabend auf dem Petersplatz in Rom verkündet wurde „Habemus Papam!“, sagte sich Stadtarchivar Nils Jörn „Den haben wir auch! Und wir zeigen ihn sogar! Zwar nur einen Abend und nicht den aktuellen, wir zeigen drei mittelalterliche Urkunden von Papst Bonifatius IX.“Aber nur an einem Tag - denn die Urkunden sind wertvoll und gehören nicht in Vitrinen, sondern ins klimatisierte Magazin des Archivs

.papsturkunde1aa

Bonifatius IX. (1350-1404) war Papst von 1389 bis 1404. „Damit wird auch klar, wieso wir überhaupt diese Papsturkunden haben. Sie sind aus der Zeit, in der es zwei Päpste gab“, so Nils Jörn. Während der Zeit des so genannten „Schismas“ regierte er in Rom, während in Avignon Clemens VII. amtierte. „Damit die überhaupt leben konnten und Einkünfte hatten, waren sie hektisch im Ausstellen von Urkunden.“ Das ließen die beiden Päpste sich natürlich bezahlen.

Der Wismarer Rat war pfiffig. Er hat sich das Privileg vom Papst bescheinigen lassen, dass der Rat selbst entscheiden kann, vor welchem Gericht er verklagt wird“, erklärt Dr. Jörn. Ein juristischer Schachzug. Wie groß die Kirchenspende des Rates dafür war, ist nicht bekannt. Die Urkunde ist vom 1. Februar 1400. „Eine Zeit, in der wir als Historiker wenig gesicherte Informationen haben.“ Der Abt von Doberan wurde übrigens zum Beschützer dieses päpstlichen Privilegs benannt.

Die zweite Papsturkunde ist vom 28. April 1403. „Der gleiche Papst überträgt einem Magister Dankquard Clentze die Pfarre an St. Marien“, so Dr. Jörn. Etwas, was völlig unverständlich ist. „Das würde normalerweise der Bischof von Schwerin machen, nicht gleich der Papst.“ Ein Kirchenkritiker könnte natürlich auch hier über finanzielle Interessen spekulieren. Der Blick in „Reclams Lexikon der Päpste“ erklärt, was für ein Mensch Bonifatius IX. war. „Er war das genaue Gegenteil seines Vorgängers, wenig gebildet oder amtserfahren, dafür aber kontaktfreudig, praktisch und realistisch, geschickt in der Menschenführung, und von überzeugender Wortgewandheit.“

Den größten „Schauwert“ hat die Urkunde von zehn Kardinälen aus Rom, reich illustriert und mit 10 großen Siegeln. Acht davon sind noch intakt. Auch hier geht es ums liebe Geld. In der Urkunde vom 10. Juli 1475 wird ein Ablass zur „Verherrlichen und Wiederherstellung der Klause der HeiligenDreifaltigkeit in der Schweriner Diözese“ verkündet. „Das war eine Lizenz zum Geld einsammeln“, schmunzelt Historiker Nils Jörn.