2013 - 4 April

 

Archivalie des Monats April - 23.4.2013

Wissenswertes zum „Tag des Bier­es“ im Wismarer Archiv

 

Ralf Bernitt entstammt einer Wis­marer Brauerfamilie. Er sammelt alles zur Bierbrautradition in der Stadt, in erster Linie aber die Ge­schichten hinter den Sammelge­genständen. Eine besonders kuriose wird er am 23. April zur „Archiva­lie des Monats“ im Stadtarchiv vorstellen.

„Das Bierbrauen ist Teil unserer Familiengeschichte“, erzählt der Leiter eines Pflegeheimes. Von 1873 bis 1920 hat Vinzent Koch, der Urgroßvater, im Schabbellhaus gebraut. Der letzte Bierbrauer dort. Mit dem Forschen zur eigenen Fa­miliengeschichte fing es an. Mitt­lerweile füllen die Rechercheergeb­nisse viele dicke Ordner. Denn Ralf Bernitt forscht weiter. „Wismar hat eine lange Biertradition, man findet immer was neues und hat dann was zu er­zählen in gemütlicher Runde bei einem Bier“, lacht Ralf Bernitt.

Der 47jährige ist Jäger und Samm­ler. Er sammelt alles zur Brauerei­geschichte Wismars ab dem 19. Jahrhundert. Und macht akribisch Jagd auf die Geschichten hinter den Fundstücken - den uralten Bierflaschen, Etiketten, Zeitungs­anzeigen oder alten Briefen. „Ich sammle nicht um des Sammelns willen“, so Ralf Bernitt. „Ich will immer auch die Geschichte dahin­ter haben“, erklärt er. Deswegen ist ihm die Kopie eines historischen Briefes mit den erzählten oder re­cherchierten Zusammenhängen wertvoller als manch ein leb- weil geschichtsloses Original.

„Sein“ Paul Thormann war ein Zu­fallsfund. Im Mecklenburger Tage­blatt stand im Mai 1893 eine Nach­richt aus einer Dortmunder Zei­tung. „Um einen in Brauerkreisen längst gefühlten Bedürfnisse abzu­helfen, hat der frühere Lehrer an der Brauer-Academie in Worms, Herr Braumeister Thormann (aus Wismar), eine Brauerschule eröff­net und erfreut sich dieselbe, wie wir hören, bereits guten Zu­spruchs.“

Natürlich hat Ralf Bernitt weiter geforscht zur Person. „Das ist kei­ne Persönlichkeit, die man als Wis­marer mit Wismar verbindet, man kennt nur den Thormannspeicher oder den Architekten Thormann“, erzählt Ralf Bernitt. Aber die Ge­schichte, die sich um diesen Thor­mann spinnt, ist umso interessanter. Im Dortmunder Archiv hat Bernitt mehr über den Wismarer herausge­funden.

Manch ein Schatz lässt sich so in den Ordnern von Ralf Bernitt fin­den. Zum Beispiel eine Musteran­meldung einer Wismarer Brauerei beim Patentamt mit japanischen Schriftzeichen – wurde das Wisma­rer Bier in den 1880er Jahren bis nach Japan exportiert? Oder ein Dankesschreiben von Bismarck – die Kochsche Brauerei hatte ihm zu Geburtstag Bier geschickt, ihm hatte das offensichtlich ge­schmeckt. „Das sind Dinge, die ich spannend finde“, so der Hobbyhis­toriker. Er weiß, wie teuer wann welches Bier in Wismar war oder dass die Hansabrauerei 1915/ 1916 schließen musste, der Kessel wurde für Munitionshülsen eingeschmol­zen. Sogar eines der Familienre­zepte zum Bierbrauen hat er bei den Kochrezepten der Urgroßmut­ter gefunden, aus der Zeit, als der Urgroßvater im Krieg war.

 

Mehr Infos: http://www.wismaria.com/