2013 -5 Mai

Der eigenen Familiengeschichte auf der Spur

 

Die Genealogie ist eine der Leidenschaften von Archivar Karl-Heinz Steinbruch. Seine eigene Familie kann er bis zu einem Schäfer im 16. Jahrhundert nachverfolgen. Im Stadtarchiv wird er bei einem Vortrag erklären, wie die Familiengeschichtsforschung funktioniert.

Für Historiker und Archivare ist es das tägliche Brot – die Genealogie, Familiengeschichtsforschung, manchmal auch salopp „Ahnenforschung“ genannt. „Der Begriff ist viel zu eng“, klärt Archivar Karl-Heinz Steinbruch auf. „Die Familie ist mehr als nur die Ahnen, das sind auch Onkel und Tanten, Nichten und Neffen, alles was links und rechts von den Ahnen ist, wird doch erst interessant.“ Er kommt im eigenen Stammbaum auf über 40 Cousins und Cousinen, jeweils vielleicht verheiratet, mit Kindern und Enkeln … „Wer einmal Blut geleckt hat in der Genealogie, kann nicht mehr damit aufhören“, lacht Steinbruch. Dank Computer und mitunter sogar kostenloser Software ist es kein Problem, der eigenen Familiengeschichte auf die Spur zu kommen. Aber: „Das ist ein teures und zeitintensives Hobby.“ Teuer, weil oft nur der Blick in andere, mitunter weiter entferntere Archive und Kirchenbücher hilft. Zeitintensiv, weil echte Detektivarbeit. Bis zum „Toten Punkt“, an dem die Forschung stockt. Bei der Familiengeschichte von Karl-Heinz Steinbruch ist das eben dieser Schäfer, der auf der Wanderschaft mal hier und mal dort lebte. Steinbruch weiß aus einem Kirchenbuch, wann der wo und wen geheiratet hat. Aber wo er geboren wurde, und wer damit seine Vorfahren sein könnten, hat der Archivar noch nicht heraus finden können. Mitunter sorgen auch die Kriege für solche Lücken im Stammbaum. Dafür kennt er von vielen seiner Vorfahren die Berufe, woher sie kamen oder woran sie gestorben sind. Höchst spannend, dieser ganz persönliche Blick in die Geschichte. „Die Namen und Lebensdaten sind das Gerippe, alles andere ist das Fleisch an den Knochen“, lacht er.

Karl-Heinz Steinbruch forscht auch in fremden Familien. Er bekommt regelmäßig Aufträge von Rechtsanwälten, die Nachfahren eines Verstorbenen zu ermitteln, um so ein Testament vollstrecken zu können.

 

Infokasten:

Die „Archivalie des Monats“, wie diese monatliche populärwissenschaftliche Vortrags- und Ausstellungsreihe vom Stadtarchiv und ihrem Förderverein überschrieben ist, ist dann ein Stammbaum aus dem 19. Jahrhundert vom Wismarer Tribunal – das feiert im Mai den 360. Jahrestag seiner Gründung. Der Stammbaum geht zurück bis Ende des 17. Jahrhunderts, als Heinrich Scheffel Registrator des Tribunals war, sein Vater, Martin Scheffel, war zur Gründung des Tribunals Registrator im Tribunalsarchiv. Der Stammbaum ist der historische Beweis dafür, dass es vor 300 Jahren auch nicht anders war als heute, wenn Politiker oder eben Tribunalsangestellte ihre Verwandtschaft mit wichtigen Positionen versorgen.