2013 - 6 Juni



So ein Circus“ im Wismarer Stadtarchiv

Plakatausstellung wird am 3. Juni eröffnet

 

„So ein Circus“ gibt es selten im Archiv der Hansestadt, wenn dann aber Tausendfach. Erstmals wird die große Sammlung an Zirkusplakaten gezeigt. Wie groß sie ist, wissen die Mitarbeiter selbst noch nicht. Derzeit wird sie erfasst und digitalisiert.

Wir haben ab 1860 Plakate von Zirkusveranstaltungen in Wismar“, erzählt Historiker Dr. Nils Jörn. Aber natürlich kamen die Seiltänzer, Akrobaten und Dompteure schon vorher in die Hansestadt. Eine erste Spur in den Archivakten: polizeilich vertriebene „Zigeunergruppen“ zur Schwedenzeit. 1802 der erste Hinweis in der Zeitung: „Es wird hierdurch bekannt gemacht, dass die starke Seiltänzergesellschaft des Herren Wambach hier angekommen ist, und am Montag, den 19. April 1802, wie durch die ganze Woche hindurch alle Nachmittage nach drei Uhr auf dem öffentlichen Markte ihre Künste zeigen wird; sowohl auf einem als auch auf zwei Seilen, wo alsdann 10 bis 12 Personen zugleich eine Pyramide von 50 Fuß hoch zur Bewunderung darstellen werden. Das Entree ist 16 Schilling.“

Seit März sind die Mitarbeiter im Archiv dabei, den historischen Bestand der Theater- und Zirkusplakate zu digitalisieren. Weit über 2000 Plakate wurden so abfotografiert und in das „Ariadne-System“ eingegeben. In diese internetbasierte Archivplattform „Ariadne“ speisen viele Archive ihren Bestand ein, damit Historiker aber auch Hobbyforscher recherchieren können, ohne die wertvollen Originale zu sehen. Wie viele Plakate noch einzugeben sind, wissen die Fachleute vom Archiv selbst nicht. „Die Plakate sind dünn wie Butterbrotpapier, man weiß nicht, ob im Stapel 500 oder 5000 Plakate stecken“, so Jörn. Aber: die alten Plakate sind in einem schlechten Zustand. Viele so, dass man sie – leider – nicht ausstellen kann, ohne sie zu beschädigen. Deswegen sammelt der junge Förderverein des Stadtarchivs Geld für Restaurierungen. „Mit dem Weinverkauf des Abends kann das ein oder andere Plakat schon gerettet werden“, so Nils Jörn. Nur einen Monat lang werden die Plakate im Stadtarchiv (Eingang in der Gerberstraße) zu sehen sein. Besondere Exponate – Kostüme – stellt das Güstrower Zirkusmuseum. Von dort werden Gäste erwartet, unter anderem der letzte stellvertretende Generaldirektor des Staatszirkus der DDR. Als Gast hat auch der bekannteste Plakatgestalter Deutschlands zugesagt, Gunter Rambow. Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei. Als Höhepunkt werden bei einer „amerikanischen“ Versteigerung zwei Bilder aus der vorherigen Ausstellung von Katrin Marnitz versteigert, mit etwas Glück kann bei nur fünf Euro Einsatz eines der Bilder erworben werden. Die Mitarbeiter des Archivs und die Ehrenamtlichen vom Förderverein haben sich für den 3. Juni einiges einfallen lassen, die Ausstellung wird um 19 Uhr eröffnet.


Manch ein Zufallsfund überrascht selbst die Archivare und Historiker im Stadtarchiv. Gerade haben sie eine dicke Akte von 1971 entdeckt, in der ein Holger Vick von einem Wismarer „Zirkus- und Varietéarchiv“ genau aufgeschrieben hat, wann welcher Zirkus zwischen 1802 und 1970 in Wismar gastierte. Eine Zusammenstellung „über Seiltänzer, Kunstreiter, Menagerien und Zirkusse in der Werft- und Hansestadt Wismar“.