2013 Februar

 Archivalie des Monats Februar

 

Übrigens ist der hiesige Handel so unbedeutend, und die Stadt so wenig bevölkert, daß mitten auf dem großen Marktplatze Gras wächst.“

Der der irische Historiker und Reiseschriftsteller Thomas Nugent (1700-1772) über Wismar

Auch vor fast 250 Jahren war Wismar beliebt bei Touristen. Aber das Reisen war etwas anderes. In der „Archivalie des Monats“ stellte Dr. Nils Jörn  einen Reiseführer von 1766 vor und ließ die Gäste manches Mal schmunzeln.

Denn der Verfasser des Reiseberichts – der irische Gelehrte, Historiker und Reiseschriftsteller Thomas Nugent – beschreibt viele Details seines Aufenthalts im Wismar des 18. Jahrhunderts. „Die Straßen von Wismar sind ziemlich regulär, die Gebäude bestehen fast durchgängig aus Giebelhäusern … nur dünkt mich, ist es eine garstige Unbequemlichkeit, daß die Dachrinnen das Regenwasser recht mittig auf die Straße hingießen. “ Über die Wismarer: „Eine sonderbare Eitelkeit habe ich hier bemerkt, die aber doch in ganz Mecklenburg Mode ist, nämlich, daß die Herren nie ausgehen, ohne einen Bediensteten hinter sich zu haben. Eine andere Gewohnheit kommt mir ebenfalls sehr singulär vor, daß sowohl Leute vom Stande, als der gemeine Mann gestiefelt in der Stadt herumgehen, dies mag im Schnee und Regen ganz bequem sein, doch denk ich, muß es bei warmen Wetter sehr belästigen.“ Hat der viel gereiste Mann etwa unangenehme Erfahrungen mit den Wismarer Stiefelträgern im Sommer gemacht?

Er schreibt über die Wismarer Kirchen wie den halsbrecherischen Aufstieg auf den Turm der damals noch vorhandenen St. Marienkirche. „Die beiden anderen Kirchen sind ebenfalls gotischer Bauart, doch werden beide eben nicht sehr reinlich gehalten, am Anstößigsten wars mir, daß die Pfeiler nicht einmal übergeweißt, sondern die puren Mauersteine zu sehen waren.“ Trotz der Kritik – Thomas Nugent muss es in Wismar gefallen haben. Er beschreibt in wenigen Sätzen die Geschichte der Stadt bis hin zur schwedischen Zeit, in der Thomas Nugent Wismar besuchte. Denn „Ungeachtet aller dieser Revolutionen ist Wismar noch immer eine feine Stadt, die der Aufmerksamkeit eines Fremden wohl wert ist.“ Das Buch von Thomas Nugent gibt es übrigens als Reprint im Schweriner Thomas Helms Verlag - „Reisen durch Deutschland, und vorzüglich durch Mecklenburg“.