2015 - 11 November

Wismarer Dachkataster wird im Stadtarchiv vorgestelltNHDachkatasterÜbersicht

 

Am 30.11. stellt Prof. Dr.-Ing. Frank Braun von der Wismarer Hochschule im Stadtarchiv um 19 Uhr das Dachkataster der Hansestadt vor. Einen Wissensschatz, den es zu heben gilt.

„Über die Dächer kommt man recht gut an die Baugeschichte eines Hauses heran“, erklärt der Bauingenieur den Ansatz. Seit 1994 ist er an der Wismarer Hochschule, ein Jahr später begann die Zusammenarbeit mit der Abteilung Denkmalpflege der Hansestadt. Studenten bekamen so die Möglichkeit, vor Sanierungsbeginn in die Dachstühle der Häuser zu gucken. „Eine großartige Zusammenarbeit damals“, dankt Professor Braun. Er erklärt das Spannende an dieser Arbeit: „Man kann die Konstruktionen sehen, dazu das Alter über dendrochronologische Untersuchungen bestimmen.“. Mit Holzproben wird über die Jahresringe das Alter des Holzes bestimmt – wann wurde der Baum gefällt, wann der Dachstuhl errichtet? Dank Städtebaufördermitteln und den Fachleuten der Universität Hamburg waren die Bestimmungen in Wismar machbar. „Weit über 100 Dachwerke haben wir so in der Altstadt untersucht, wir wissen recht viel über die ältesten Dachwerke“, erklärt Professor Braun.

Bereits in den 1990er Jahren entstand das Wismarer Kellerkataster, die Idee, solch eine Übersicht auch für die zahlreichen Informationen über die Dächer zu machen, lag nahe. Entstanden sind zwei Karten. Einmal mit den Angaben zur Dachform – mehr als 3000 Dächer wurden aufgenommen -, dann zum Alter des Daches. Professor Braun: „Die Dachalterskarte zeigt in farbiger Darstellung das Baualter der einzelnen Dächer. Gesicherte Datierungen sind mit Volltonfarben dargestellt und durch Inschriften, dendrochronologische Untersuchungen oder archivalische Informationen sicher belegt. Geschätzte Datierungen sind schraffiert dargestellt und beruhen auf Analogieschlüssen zu vergleichbaren, sicher datierten Dächern.“ Die ältesten Dächer stammen aus dem 14. Jahrhundert wie das am Spiegelberg 47, das des Weinbergs, Teile des Dachs in der Nikolaikirche oder die Giebelhäuser in der Lübschen Straße. „Es sind nicht mehr so viele aus dieser Zeit, aber die aus der zweitältesten Phase, aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind noch recht häufig anzutreffen“, erklärt Frank Braun mit Blick auf die Karte.

Mit der Karte können die Fachleute Rückschlüsse auf die Entwicklung der historischen Baustruktur fällen. „Beispielsweise dass in der Lübschen Straße schon nach der Stadtgründung Häuser mit Brandwänden entstanden sind, denn nur so haben die Häuser und damit auch die Dachstühle die Jahrhunderte überstanden.“ Vieles aus der Wismarer Stadtgeschichte ist dank der Karten sichtbar, beispielsweise auch der „Bauboom“, nachdem die Stadtmauer geschleift werden musste. „Das 18. Jahrhundert hat kaum Spuren in der Altstadt hinterlassen, genauso die DDR-Zeit“, erzählt Frank Braun. Ein paar orange Flecken – die Farbe für die Zeit – am Hafen, nicht viel mehr.

Der Vortrag am 30. November beginnt um 19 Uhr, Nichtmitglieder des Archivvereins zahlen drei Euro Eintritt. Gleichzeitig wird die Ausstellung „Frieden für Wismar und die Welt“ mit Plakaten aus der Friedensbewegung eröffnet.

 

Mehr Informationen:

https://bau.hs-wismar.de/~braun/Forschung/Dachkataster/index.htm