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Heinrich der Pilger – von Wismar nach Kairo und zurück:Ein Foto von der Jahrhundertfeier 1903 - darauf die Szene von der Rückkehr Heinrich des Pilgers nach Wismar.

Mittelalterliche Gefangenengeschichte im Wismarer Stadtarchiv

 

Freunde der Wismarer Geschichte kommen am 2. Februar auf ihre Kosten, dann wird Dr. phil. Andreas Röpcke um 19 Uhr im Wismarer Stadtarchiv seinen Vortrag „Von Wismar ins Gelobte Land. Die wundersame Geschichte von Heinrich dem Pilger“ halten. Eine Reise ins Wismarer Mittelalter und weit darüber hinaus dank Archiv und Archivverein.

Fürst Heinrich I., genannt „Heinrich der Pilger“ war von 1264 bis 1275 und von 1299 bis zu seinem Tod 1302 Regent der Herrschaft Mecklenburg. 24 Jahre lang war er es nicht – über diese Zeit wird der inzwischen pensionierte Direktor des Landeshauptarchivs Schwerin sprechen. „Eine der beliebtesten und auch schönsten Geschichten aus dem mittelalterlichen Mecklenburg“, macht der Historiker neugierig. Mit seinem Vortrag möchte er die Geschichte am Leben erhalten. „Wismar spielt dabei eine große Rolle, weil Heinrichs Pilgerfahrt in Wismar begann und auch hier endete“, erklärt er. Weiter: „Die Residenz der Mecklenburger war zu der Zeit in Wismar.“

Seinen Beinamen als Heinrich der Pilger bekam der Regent durch die Kreuzzüge. Er wird als „feurig“ und „schwärmerisch für Religion und Frömmigkeit glühend“ beschrieben, unterstützte Kirchen und Klöster sehr und träumte davon, ins Heilige Land zu reisen. 1270 unternahm er einen Kreuzzug gegen die noch nicht christianisierten Litauer und 1271 eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. An sich noch nichts so spektakuläres, dass es lohnt, 745 Jahre später über ihn zu forschen, zu sprechen und zu schreiben. Heinrich wurde auf dem Weg ins Heilige Land von Sarazenen nach Kairo verschleppt, er überlebte fast drei Jahrzehnte in arabischer Gefangenschaft. Die Geschichte inspirierte auch das Theater.

26, 27 Jahre in Gefangenschaft. „Eine unglaublich lange Zeitspanne für damalige Verhältnisse“, so Dr. Röpcke. 1275 kam die Kunde von der Gefangennahme nach Mecklenburg. In Wismar stritten derweil die Brüder Heinrichs und seine Vettern um die Vormundschaft seiner Kinder und damit über die Machtausübung. Heinrichs Ehefrau Anastasia forschte über den Verbleib ihres Mannes – vergebens. 1283 übergab sie die Regierungsgeschäfte an die beiden nun erwachsenen Söhne Johann III. und Heinrich II. Sie zog sich auf ihren Witwensitz auf Poel zurück, so schreibt Gustav Hempel 1837 im „Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Mecklenburger Landes - Band 1“.

Bis 1298 die Kunde über Heinrichs Rückkehr nach Mecklenburg kam. „Alle glaubten ihn für tot, dann erschien er nach so vielen Jahren wieder“, erzählt der Historiker. Die Forschung ist sich nicht sicher, ob er nach 26 oder 27 Jahren wieder in Wismar ankam, genauso gibt es manch eine fantasievolle Geschichte zum Pilger und seiner Befreiung, deren historisch wahrer Kern nicht immer nachweisbar ist.

Röpcke hält sich an die Quellen, beispielsweise den tollen Zufall, dass Heinrich den Lübecker Ratssekretär Alexander Huno unterwegs getroffen hat. „Diesen zeitgenössischen Bericht werde ich wieder geben. Das ist ungewöhnlich, dass man aus einer Zeit, die gut 800 Jahre zurück liegt, so eine Quelle hat.“

Der Eintritt zum Vortrag am 2. Februar um 19 Uhr im Stadtarchiv kostet drei Euro, Vereinsmitglieder haben freien Eintritt.

 

 

Die Spuren Heinrich des Pilgers

Die Geschichte um Heinrich den Pilger inspirierte, dazu hat er einige Spuren hinterlassen. Im Schweriner Schloss gibt es ein Wandgemälde über seine Rückkehr, in der „Mecklenburgischen Reimchronik“ des Ernst von Kirchberg, entstanden um 1378, schreibt der Autor einiges über die Geschichte, allerdings recht fantasiereich. Carl Beyer (1847-1923) schrieb einen historischen Roman über Anastasia als Regentin während Heinrichs Gefangenschaft, das Buch wurde 2013 neu aufgelegt.

Auch im Wismarer Stadtarchiv gibt es Spuren von Heinrich dem Pilger. 1903 kam eine Postkarte heraus zur Wismarer Hundertjahrfeier mit der Rückkehr von Heinrich dem Pilger als Motiv. Am 12. Februar 1893 wurde das Stück „Des Pilgers Heimkehr“ als „Vaterländisches Schauspiel aus Mecklenburgs Vorzeit von Carl 1von Blücher“ im Wismarer Stadt-Theater gezeigt, das Plakat im Stadtarchiv die Jahrzehnte überdauert.