2016 - 5 Flugwesen

"Es entwickelt sich, das Flugwesen!"NHWismarerFliegerStempel

Vortrag über historischen Rundflug im Stadtarchiv

 

Die bei gutem Wetter über Wismar kreisenden Sportflugzeuge gehören dank das Flugplatzes Wismar-Müggenburg im Jahr 2016 zum Alltag. 1913 war ein Flugzeug über Wismar eine große Sensation. Der erste Rundflug über die Stadt war ein Spektakel für alle Menschen. Wismars Stadtarchivar Dr. Nils Jörn wird am 31. Mai um 19 Uhr den Gästen im Stadtarchiv von diesem Großereignis berichten und Originalfotos aus der Zeit zeigen.

„Im Jahre 1912 hatte der Zeppelin 'Viktoria Luise' Wismar unter größter Anteilnahme besucht und eine neue Zeit eröffnet“, so der Historischer Jörn. Ein Jahr später kam etwas weit größeres auf Wismar zu. Drei Doppeldecker und drei Eindecker sollten im Juni 1913 gegeneinander starten. Aus Schwerin kommend, sollten sie zu einer „Umfliegung der Stadt“ in Richtung Gehrkesches Sägewerk, Mädchenvolksschule, Gasanstalt, Krankenhaus, Malzfabrik, Bahnhof, Hobelwerk und Kohlenentladevorrichtung starten, um dann weiter Richtung Lübeck zu fliegen. Das Ganze ohne Übernachtung wie in anderen Städten, weil Wismar nicht imstande war, für die sichere Unterbringung der Flugzeuge zu sorgen. 400 Sitzplätze wurden am Flugplatz auf dem Haffeld errichtet, der Sitzplatz kostete eine Mark. „Einmal mehr fühlten sich die Wismarer den Schwerinern überlegen, denn was man hier an einem Tag erleben konnte – Start, Flug, Landung – dafür musste man dort zwei Tickets erwerben“, kommentiert Nils Jörn das Schauspiel. „Aus dem Unvermögen der Stadt, die Flugapparate sicher unter zu stellen, war also ein Vorteil für die Besucher geworden. In Wismar hatte man schon seinerzeit eine besondere Ader, einen frischen Blick auf Probleme zu werfen“, kommentiert er weiter augenzwinkernd.

Und auch die Finanzierung des Spektakels gelang. 3000 Mark sollte die große Flugschau für die beteiligten Städte kosten, 500 davon fielen auf Wismar. Man sammelte in der Stadt: 225 Mark kamen so zusammen, der Rat stellte Ende Mai 1913 weitere 500 Mark außerplanmäßig aus der Stadtkasse zur Verfügung. Der „Flugplatz“ am Haffeld wurde planiert, die Hansa-Brauerei begann mit dem Aufbau der „Restauration“.

Alleine das Wetter machte Sorgen, Anfang Juni 1913 tobten heftige Stürme und Gewitter. Am 23. Juni war das Wetter besser. „Ein riesen Aufriss, die ganze Stadt hatte frei“, erzählt der Autor weiter. Geschäfte blieben geschlossen, der Bootsverkehr war zur Sicherheit verboten, die Ärzte wurden gebeten, sich bereit zu halten. Die Straßen sollten frei bleiben, damit Autos mit „hoher Geschwindigkeit“ den Flugzeugen folgen konnten.

Fast wäre es zu einem Unglück gekommen – aber genaueres wird Dr. Nils Jörn am 31. Mai um 19 Uhr im Stadtarchiv erzählen. Der Eintritt ist für Mitglieder des Archivvereins frei, alle anderen zahlen wie immer drei Euro für den guten Zweck.