2017 - 7 MTW Faltboote

Das Boot im Reisekoffer:

Vortrag über die MTW-Faltboote im StadtarchivProduktion des "Delphin 110, Typ II" 1965 in der Kanalstraße. Foto: Stadtarchiv Wismar

 

Zu einem sommerlich leichten und trotzdem höchst interessanten Vortrag laden Archiv und Archivverein am 1. August um 19 Uhr ins Stadtarchiv, Eingang Gerberstraße, ein. Dr. Rolf Bartusel, Historiker und Wassersportfan aus Münster, wird über die Faltboote der MTW sprechen.

Über 70.000 Faltboote verschiedener Typen wurden zwischen 1954 und 1990 auf der Wismarer Mathias-Thesen-Werft (MTW) im Rahmen der beschlossenen Ausweitung der Konsumgüterproduktion in der DDR produziert. „Heute scheint das alles nur schwer vorstellbar: eine Großwerft in Wismar, die Ozeanriesen baut - und bis 1990 auch wenige Meter kurze Faltboote? In der damaligen DDR war das aber durchaus nicht ungewöhnlich“, beschreibt Rolf Bartusel. Nahezu alle großen Industriebetriebe stellten nebenher Konsumgüter, also Produkte für den Endverbraucher, her.

Die Abteilung „Faltbootbau“ war in der Kanalstraße untergebracht und wuchs über die Jahre kräftig. „Hatte man 1956 erstmals die 1.000er-Grenze erreicht, wurden Ende der achtziger Jahre etwa 4.000 Boote pro Jahr gefertigt. Die Mitarbeiterzahl erreichte Ihren Höchststand mit etwa 120 Personen, die allerdings nicht nur im Faltbootbau tätig waren. So wurden in der Abteilung auch andere Produkte wie zum Beispiel Falttüren hergestellt“, so Rolf Bartusel. Die Wismarer produzierten auch für andere Hersteller, zum Beispiel Verdecke für die Ibis-Motorboote des VEB Yachtwerft Berlin.

Der promovierte Historiker ist über die Liebe zum Wassersport auf die historischen Faltboote aufmerksam geworden. „Ich bin durch Zufall auf den Kolibri von MTW gestoßen und hatte mich informiert, was das für ein Boot ist und wo das herkommt, aber ich habe nicht viel gefunden.“ Das stachelte die Neugierde des Historikers, der inzwischen Geschäftsführer einer Web-Agentur ist, an. „Auf der Werft hatte man mir gesagt, dass die Unterlagen von damals entsorgt wurden“, erzählt er. Im Stadtarchiv fand er einiges, kam ins Gespräch mit ehemaligen Werft-Mitarbeitern und veröffentlichte seine Rechercheergebnisse auf der Webseite www.mtw-faltboot.de. MTW Delphin 150 1989 Wismar

Rolf Bartusel: „MTW startete sein Faltbootangebot 1954 mit dem Zweier-Kajak Delphin 85 und dem Mehrzweckboot Delphin 110. Im Folgejahr wurde das Sortiment um den Kompaktzweier Kolibri erweitert. Später kamen noch das Faltruderboot und der Falt-Katmaran Scalare 250 dazu.“ Kajaks, Jollen, Kompaktzweier, ein „unsinkbares“ Faltruderboot mit eingebauten Luftschläuchen und ein „faltbarer“ Katamaran mit fünf Meter Länge – die Faltboote waren beliebt, wenn auch nicht immer praktikabel.

Und sie sind es immer noch, werden dank Liebhaber bei Ebay und Co. gehandelt. Auch Rolf Bartusel ist gerne mit seinen Faltbooten unterwegs: „Das sind keine Museumsstücke, die werden besegelt und bepaddelt.“ Und natürlich liebevoll aufbereitet.

Zum Vortragsabend am 1. August werden nicht nur Fotos und Dokumente gezeigt, sondern auch Originalboote. Der Eintritt beträgt wie immer drei Euro für den guten Zweck, Vereinsmitglieder haben freien Eintritt. Einlass ist ab 18.30 Uhr.