2018 - 1 Schmiedehandwerk

canvas 160Vortrag über Wismarer (Schmiede-) Handwerk im Stadtarchiv

 

Am 6.Februar um 19 Uhr laden Archiv und Archivverein zum historischen Vortrag ein. Themen des Abends sind die Quellen über das Handwerk in Wismar, über die Stadtarchivar Dr. Nils einen kurzen Überblick geben wird. Danach spricht Frauke Lewin über eine besondere Quelle, die sie im Vermächtnis ihres Vaters gefunden hat. Gut 100 Zettel - die ungebundenen Lagen eines Amtsbuchs der Wismarer Schmiede. Schwer lesbare, handschriftliche Notizen aus der Zeit zirka zwischen 1553 bis 1630. „Mein Vater, der Numismatiker Rudolf Bienas, hat sie bei Arbeitseinsätzen im Kulturbund im Abfallbehälter gefunden“, erzählt Frauke Lewin über das, was ihr Vater ihr zu Lebzeiten berichtete. Sie ist auf Spurensuche gegangen. Erst auf den Zetteln: „Die sind für mich als Laie wirklich schwer zu lesen, aber es macht Spaß!“ Dazu in den bereits erschlossenen Quellen rund um die Schmiedezunft in Wismar.

Das Ergebnis ist ein Stadtrundgang auf den Spuren des Schmiedehandwerks, zu dem sie ihre Vortragsgäste ganz bequem per Beamer und Bildmaterial einladen möchte. Angefangen vom Haus am Spiegelberg 3. 1548 erbaut, lassen sich Generationen von Schmiedehandwerkern bis ins 20. Jahrhundert nachweisen. Frauke Lewin: „Der letzte Schmied in dieser Werkstatt ist Willy Quandt. Er ist bis ungefähr 1970 als selbständiger Handwerker dort tätig.“

Die Spurensuche geht in der Nikolaikirche weiter – wo saß die Schmiedeinnung, was hat es mit dem kunstvoll geschmiedeten Taufgitter auf sich? Frauke Lewin führt die Gäste weiter zur „Rats- beziehungsweise Herrenschmiede“ rechts vor dem Altwismartor, neben dem Gefangenenturm gelegen, erklärt, was es mit Schmiedetor und Schmiedehäuschen auf sich hat und natürlich die Hintergründe der Klein- und Großschmiedestraße in Wismar. Wo sind die wandernden Schmiedegesellen unter gekommen, wo haben die Wismarer Schmiede gezecht und gefeiert?

Siegel der SchmiedeSpannend, wie sie die Veränderungen der Zeit mit dem Berufsbild beschreibt: der Wagenschmied baut irgendwann Blitzableiter!

Die Zettel aus der Sammlung des Vaters waren Ausgangspunkt. Das Wichtigste: sie hat die Zettelsammlung wieder dem Archiv übergeben, damit sie dort wissenschaftlich ausgewertet und optimal archiviert werden können – eine Lücke weniger in der Stadtgeschichte. „Wir haben die andere Hälfte des Schmiedebuchs!“, freut Dr. Nils Jörn sich über den Fund. Und erklärt, wie viel Glück er und damit die Nachwelt braucht, um an solche Dokumente zu gelangen: „Die Ämter waren privat, wenn der letzte Schmiedemeister entscheidet, er gibt es dem Archiv, bekommen wir es, sonst Ebay!“ Und das sei natürlich der schlimmste Fall für die Wismarer Stadtgeschichtsforschung.

Der Einlass am 6. Februar ist ab 18.30 Uhr, die Plätze im Stadtarchiv (Eingang Tordurchfahrt Gerberstraße 9a) sind begrenzt. Der Eintritt kostet drei Euro für den guten Zweck, Vereinsmitglieder haben freien Eintritt. An dem Abend wird im Archiv auch die neue Ausstellung eröffnet. Asja Krishanowskaja aus Moskau zeigt „Wismar im Aquarell“.