2018 - 6 Waggonfabrik

Von der Waggonfabrik zum Schiffbau

 

Am 6.6. - einem Mittwoch – um 19 Uhr laden Archiv und Archivverein zum nächsten historischen Abend ins Stadtarchiv ein. „Von der Waggonfabrik zum Schiffbau“ ist der Vortrag von Andreas Nielsen von den Eisenbahnfreunden Wismar e.V. überschrieben. Passend dazu wird eine Ausstellung mit Bildern der Werft eröffnet.

 

Ich werde über die Geschichte der Waggonfabrik Wismar nach der Bombardierung des Werkes am 25. August 1944 berichten“, erzählt Andreas Nielsen. Mit fast 2000 Mitarbeitern (1939) gehörte das Werk zu den größten Arbeitgebern der Region. Die Triebwagen und Waggons wurden von Wismar aus in (fast) die ganze welt geliefert.

 

Bis zunächst 1944 – große Teile des Werkes wurden durch die Bomben erheblich beschädigt. „Aber die Waggonfabrik begann sogleich mit Aufräumarbeiten und der Wiederherstellung der Produktionsfähigkeit“, berichtet Andreas Nielsen weiter. Das Werk wurde vom „kriegsbedingten Bauverbot“ befreit. Es war zu wichtig. „Die Waggonfabrik hat nach dem Angriff ziemlich schnell wieder produziert, zunächst bis Kriegsende am – in Wismar – 2. Mai 1945“, so Nielsen.

 

Mit seinen Forschungen im Wismarer Stadtarchiv hat Nielsen eine Aufarbeitungslücke geschlossen. Wie es 1944 und 1945 und danach weiter ging, war bis dahin nicht bekannt.

 

Bei dem Luftangriff ist mit dem Verwaltungsgebäude der Waggonfabrik in der Kanalstraße 18 leider auch das Werksarchiv größtenteils verloren gegangen“, erzählt Nielsen. Das Haus an der heutigen Zufahrt zur Firma Schottel steht nicht mehr, anders, als das benachbarte Sozialgebäude, das den Luftangriff überstanden hat und bis heute genutzt wird. Doch viele Unterlagen aus der Zeit nach dem Angriff sind erhalten geblieben und geben interessante Aufschlüsse darüber, wie es nach dem Luftangriff und vor allem nach Kriegsende weiterging.

 

In der Fabrik wurden in dieser Zeit fast 5000 Güter- und Personenwaggons repariert, innerhalb von weniger als zwei Jahren. Dazu Küchenherde gebaut, Möbel, Eimer, Spaten, Pferdefuhrwagen, Möbel für die Wohnung des sowjetischen Generaldirektors und vieles mehr.

 

Nach dem Kriegsende und aufgrund der Reparationsforderungen der Sowjetunion gab es sogar Pläne, in Wismar bis zu 1500 Waggons monatlich (!) zu bauen. „Das wurde so nicht umgesetzt, man darf annehmen, wegen Materialmangel - nicht jedoch wegen Undurchführbarkeit, wie aus erhaltenen Unterlagen hervorgeht“.

 

Anfang Juli 1947 wurde die Fabrik mit der damaligen Schiffsreparaturwerft Wismar verschmolzen – per Befehl des sowjetischen Befehlshabers in Wismar und mit sofortiger Wirkung - für das Werk vollständig überraschend und unerwartet. Denn die Waggonfabrik hatte längst volle Auftragsbücher und Pläne für die kommenden Monate. Sogar die Produktionsplanungen für die Wiederaufnahme des Triebwagenbaus waren abgeschlossen. Andreas Nielsen: „Niemand im Werk hatte geahnt, plötzlich Schiffbau machen zu sollen. Man musste sich sogar erkundigen, ob man denn bitteschön die 150 Güterwagen, die gerade als Reparationsleistungen für die Sowjetunion gebaut wurden, fertiggestellt werden sollten.“, erzählt Nielsen.

 

1950 wurde der bereits gefasste Plan, die Werft und die Waggonfabrik wieder zu trennen, „etwas“ verschoben. „Dabei ist es geblieben, wie wir heute wissen“, sagt Andreas Nielsen.

 

Passend dazu wird eine Ausstellung mit Lithografien von Fritz Bley zum Hafen und zur Werft eröffnet.