2019-11 Werft Stasi

Geheimpolizei zwischen Dock und Helling

Der Staatssicherheitsdienst und die Werften in der DDR

 

Vortrag und Gespräch mit Dr. Volker Höffer, BStU-Außenstelle Rostock

 

Zum Ministerium für Staatssicherheit der DDR, kurz Stasi, wurde in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren schon sehr viel erforscht und veröffentlicht. Dabei sind die Rolle und die Ziele der Stasi bei der Überwachung der Wirtschaft in der DDR, also gewissermaßen an der materiellen Basis der SED-Diktatur, bislang etwas zu kurz gekommen. Gerade auf diesem Feld aber machten viele DDR-Bürgerinnen und –Bürger ihre prägenden Erfahrungen mit der Geheimpolizei als einem der zentralen Herrschaftsinstrumente der SED, mit ihrem Einfluss auf Karrieren, dem Eingriff in Produktionsabläufe, der Auswahl und Überwachung von „Reisekadern“ usw.

Auch im DDR-Schiffbau war die Stasi immer präsent. Handelte es sich doch um einen gerade für den Norden der DDR zentralen Industriezweig mit großer Bedeutung für das Leben in der Region und für den Export ins sozialistische bzw. nichtsozialistische Ausland. Ein weiterer Schwerpunkt der Stasi-Tätigkeit im Schiffbau hing mit der hohen Konzentration an Arbeitern und Angestellten zusammen. Spätestens seit dem Volksaufstand um den 17. Juni 1953 und den dazugehörigen massiven Protesten auf den Werften galten die dortigen Belegschaften der SED und ihrer Geheimpolizei als ein wichtiger Gradmesser für die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit der DDR-Bevölkerung und als ein großer politischer Risikofaktor. Immer wieder machten „Werftler“ ihrem Unmut über Versorgungsmängel, schlechte Arbeitsbedingungen, Lohnhöhen und politische Unfreiheit verborgen oder offen Luft, bis hin zu Arbeitsverweigerungen und angedrohten Streiks.

In seinem Vortrag beleuchtet Dr. Volker Höffer die Ziele, Strukturen und Aktivitäten der Stasi im DDR-Schiffbau sowie die Auswirkungen für Betroffene. Dabei wird deutlich, wie stark Überwachung und Einflussnahme durch die Stasi auch in diesem für die nordostdeutsche Region so prägenden Lebensbereich waren.