Ostermarkt 2016

Österlicher Kunsthandwerkermarkt in der Wismarer Markthalle- "neue" Hafenansicht als Plakat des ArchivvereinsDas Plakat zum Ostermarkt 2016 in der Markthalle

 

Am kommenden Wochenende – 12. und 13. März – werden in der Markthalle am Alten Hafen in Wismar wieder zahlreiche Kunsthandwerker Frühlingshaftes und Österliches zeigen und zum Verkauf anbieten. Der Markt ist mittlerweile Tradition und lockt jedes Jahr die Menschen in die Halle. „Wir haben in diesem Jahr gut 50 Kunsthandwerker dabei“, erzählt Organisator Christian Schumann aus Rostock.

Handgravierte Ostereier, mundgeblasener Osterschmuck aus Glas, dazu „Rohlinge“ vom kleinen Wachtel- bis zum riesigen Straußen-Ei für die eigene Kreativität – das Angebot in der Halle ist vielfältig. Keramiker sind zu Gast, Schmuckdesigner und Anbieter von Holzspielzeug, dazu eine Textilgestalterin mit ihrem Spinnrad und ein Gürtelmacher. Handgesiedete Seifen, selbstgezogene Kerzen oder Glaskollagen aus Antik-Glas: „alles ist hochwertige Handwerkskunst“, verspricht Schumann.

Vor den Toren der Markthalle werden Obst- und Gemüsehändler und eine Gärtnerei mit ihren farbenfrohen Angeboten locken, in der Halle locken auch die Gerüche von selbstgebackenem Kuchen und frischem Kaffee.

Das traditionelle Basteln mit Kindern bietet der Wismarer Verein „Licht am Horizont“ an. Unter fachkundiger Anleitung können sich die kleinen Besucher am Umgang mit Schere, Papier und Klebestift erproben, und den eigenen Osterschmuck auch gerne mit nach Hause nehmen.

Auch der Wismarer Archivverein ist wieder mit seinem Stand dabei und präsentiert ein neues Plakat mit einer historischen Hafenansicht. Die Ehrenamtler nehmen die Einladung in die Markthalle immer wieder gerne an und bringen Wismarliteratur und viele historische Stadtansichten als Reproduktion mit, die für den guten Zweck – den Erhalt der Originale – verkauft werden. Übrigens gehört auch der Bürgermeister Thomas Beyer in diesem Jahr zu den ehrenamtlichen Standbetreuern.Das Bild zeigt eine sehr schöne Hafenansicht zum Ende des 19. Jahrhunderts und damit den Übergang vom Segler zur Dampfschifffahrt. Für 8,50 Euro wird das Plakat käuflich zu erwerben sein, das Geld hilft, die wertvollen Originale im Stadtarchiv zu restaurieren.

 

Am Samstag hat der Ostermarkt von 10 bis 18 Uhr, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist wie immer frei.

HexenHurenHenkerII

Band II der Hexen, Huren und Henker aus Wismar3bsw

 

Was macht ein Historiker und Stadtarchivar, wenn er ganz aus Versehen zu viel recherchiert hat, um nur ein Buch zu füllen? Ganz genau, er bringt einen zweiten Teil heraus.

So hat das Dr. Nils Jörn mit seinen „Hexen, Huren und Henkern“ gehandhabt. „Sie werden viele neue Geschichten zu lesen bekommen, teilweise von alten Bekannten wie dem Scharfrichter Carl Jeltzer und seiner Familie. Dazu neue Charaktere mit Potential wie der Amtmann Jörns in seinem Kampf gegen eine vorbestrafte Hexe“, erzählt der Historiker. Er hat in historischen Gerichtsurteilen des Wismarer Tribunals – dem höchsten Gericht der schwedischen Besatzungen auf deutschem Gebiet – einiges über Hexen, Huren und Henker in Wismar und der Umgebung gefunden. „Die Henker der Stadt waren fleißige Burschen und haben überreichlich Spuren hinterlassen“, so Nils Jörn. „Und die Huren? Um die muss einem in Wismar nicht bange sein. Sie winkten der ersten Kogge zu, die hier anlegen wollte und sie werden dem letzten Fahrgastschiff hinterherwinken, wenn diese Stadt einmal geräumt werden muss.“ Nur die Hexen, die waren in Wismar recht zurück haltend.

Der Historiker erzählt von einer Witwe mit drei Kindern am Spiegelberg, der Hehlerei und Hurerei vorgeworfen wurden. Dazu von einer jungen Soldatenhure, die ihre Kinder aussetzen musste und dann selbst der Stadt verwiesen wurde. Ernste Geschichten aus der Wismarer Schwedenzeit, die meist alles andere außer rosig war. Dazu auch amüsantes, im unterhaltsamen Stil von Nils Jörn erzählt. Beispielsweise rechnet er genau vor, wie Frau mit der Vermietung einer Bude in der Wallstraße an entsprechende Mädchen ein schnelles Vermögen machen könnte. Wie viele Freier pro Tag, wie viele Arbeitstage im Jahr, solange kein Tripper oder ähnlich unangenehmes im Weg stand. Der Plan ging, soviel darf jetzt schon verraten werden, nicht auf.

Nils Jörn verrät dafür die „Wismarer Verkehrsregeln“ von 1880. Dass es dabei nicht um die Frage ging, welche Kutsche wann Vorfahrt hatte, sollte angesichts des Buchtitels klar sein. So war es diesen Frauen beispielsweise verboten, „Männer außerhalb oder innerhalb der Wohnungen durch Worte, Wincke oder Zeichen oder andere Kundgebungen anzulocken, auffällig aus dem Fenster zu sehen oder in auffälliger oder gar unanständiger Toilette vor den Fenstern sich blicken zu lassen.“ Jörn schreibt vom Hotel Stadt Hamburg als „Sündenpfuhl Wismars“, recht "aktuell" aus der Akte zum „Entzug der Schrankkonzession“ aus dem Jahre 1952.

 

Gespickt mit aktuellen Wismarfotos und heißen Szenenfotos von Hexen, Huren und Henkern in Wismar erscheint das Buch im Rahmen der Reihe des Archivvereins. Dank Druckkostenspende der Firma HW Leasing – das Wismarer Unternehmen hatte auch schon für den ersten Band gespendet – kommt der Erlös des Buches direkt dem Archivverein und damit der Restaurierung historischer Urkunden aus dem Stadtarchiv zugute. Zu erwerben wie immer im Wismarer Buchhandel oder direkt im Archiv.

Das Buch kostet 10 Euro.

Wendebuch

Wismarer Wendegeschichte (n) Titel

 

Band 4 der Schriftenreihe der Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar ist erschienen. Nicole Hollatz - Vereinsvorsitzende und freie Journalistin - schreibt über Wismarer Wendegeschichte(n).

 

"Der Herbst 1989 in und um Wismar. Manch einer hat den Mut, eine Kerze ins Fenster zu stellen. Ein sichtbares Zeichen der Unterstützung. Aus den Kerzen Einzelner, aus den wenigen, die sich in den verschiedenen oppositionellen Kreisen engagieren, werden 50 000, die auf dem Wismarer Markt demonstrieren. Ganz offen. Die freie Journalistin Nicole Hollatz hat die ganz persönlichen Erinnerungen der Wismarer an ihren „heißen Herbst“ aufgeschrieben. Entstanden ist ein ganz intimes Buch über das, was bis zum Dezember 1989 in Wismar geschehen ist."

 

Das Buch gibt es in den Wismarer Buchhandlungen und natürlich im Stadtarchiv.

Das Buch kostet 12,50 Euro.

Schwedenfestplakat

So viele gute Nachrichten! Wir wurden bei unserem Stand zum Schwedenfest überrannt. Die Gäste freuten sich sehr über unser "historisches" Angebot. Das historische Plakat als Reproduktion war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft.

Nun haben wir ein zweites Original von 1715 reproduziert - gleiches Datum, gleiches Motiv, andere Kolorierung. Wir sind absolut baff über die Schärfe und die Qualität des Drucks!
Am Sonntag wird das Plakat für den guten Zweck verkauft, ab 14 Uhr im Hof des Stadtarchivs (Gerberstraße Tordurchfahrt), ab 15 Uhr laden wir dann zu unserer Station der Lesegärten ein. Dort wird der Wismarer Henker Lesende und Gäste erwarten. Vier Lesende werden antreten und auf die Gnade des Publikums hoffen. Wer die nicht bekommt .... .... ....
15, 16 und 17 Uhr beginnen die Hinrich ... , ähh, Lesungen. Der Eintritt ist wie auch zu allen 11 anderen Lesegärten frei. Unsere Ehrenamtlichen backen leckere Kuchen.
Und bitte, einmal Sonne zu den Lesegärten!
Das Plakat gibt es danach auch im Stadtarchiv, solange der Vorrat reicht.

 

 

 

Archivverein bringt 300 Jahre alte Karte von Wismar und der Region als Reproduktion heraus

Als Wanderkarte oder für den Radfahrer wird die Karte von 1715 nicht mehr herhalten können. Wohl aber gut gerahmt als Wandschmuck oder Geschenk. Genau 300 Jahre nach ihrem Druck bringt der Wismarer Archivverein pünktlich zum Schwedenfest eine Karte aus der schwedischen Zeit Wismars heraus. Als Reproduktion des Originals für den guten Zweck – mit dem Erlös werden die „Sorgenkinder“ aus dem Stadtarchiv restauriert.
„Unglaublich, was man auf der Karte alles entdecken kann“, so Stadtarchivar Dr. Nils Jörn. Die Dörfer der Region zwischen Blowatz, Klütz, Dambeck und natürlich der Insel Poel im Norden  werden aWebNHHistorischeKarteSchwedenfest1bgebildet. Zwischendrin Wismar mit seinen Festungsanlagen, eingezeichnete Felder, Häuschen, Seen und Flüsse. Die Lupe müsste gleich neben der Karte hängen, um jedes Detail erkennen zu können. Mit ganz viel Geduld könnte man zwischen den Wäldern kleine Buchstaben finden. „Das waren die Standorte der Hannoveranischen, Preußischen und Dänischen Truppen. Anders als heute wusste man damals, wer uns belagert“, schmunzelt Dr. Nils Jörn. Eine Karte, wie sie der jeweilige Feldherr wahrscheinlich auf dem Tisch hatte. 1711 belagerten die Dänen im nordischen Krieg Wismars, fünf Jahre später, im April 1716 ergibt sich die Stadt, die Festungsanlagen Wismars werden geschleift.
„Particulier Carte der Gegend von Wismar nebst der Insel Poel und angedeuteter Bloquarde zu Wasser und Lande 1715“ steht so in der barocken Kartusche im rechten Bildteil, von Engelchen getragen. „Unten links sehen wir Neptun persönlich“, so Nils Jörn. Die Schiffe in der Wismarbucht darüber tragen die Buchstaben – auch dazu kann in der Legende mit Lupe und sehr guten Augen nachgelesen werden, um welche Belagerer es sich handelte. Viel spannender für viele Wismarer könnte die Stadtansicht im unteren Bildteil sein. Die Stadt zwischen St. Nikolai und Mecklenburger Tor. „Das kommt davon, wenn man einfach abschreibt oder abmalt, ohne sich zu vergewissern, ob es seit dem Änderungen gab“, schmunzelt Dr. Nils Jörn über die Details, die er entdeckt. Denn der damalige Ingenieur, der die Karte gezeichnet hat, hat den Stand der Festung von 1675 aufgezeichnet. „Ohne, dass ihm klar war, dass es 1715 schon wieder ganz anders aussah in Wismar!“ Auch der Kirchturm von St. Nikolai sah damals anders aus - am 8. Dezember 1703 zerstörte ein Sturm den Spitzhelm des Turms. „Aber er wusste, dass es das Schloss des Mecklenburgischen Herzogs auf Poel nur noch als Ruine gab und dass die Insel Walfisch Ende des 17. Jahrhunderts zur Festung ausgebaut wurde.“, so Dr. Jörn. WebNHHistorischesPLakat2
Eine limitierte Anzahl an Reproduktionen können die Wismarer zum Schwedenfest kaufen. Am Freitag, Samstag und Sonntag wird der Verein mitten im Schwedenfestgetümmel seinen Stand aufbauen. Dann gibt es das Plakat für 8,50 Euro, dazu viele andere Postkarten – auch aus der Schwedenzeit - weitere Plakatmotive und Bücher mit historischem Wismarbezug.

Theaterbuch

ChristianRoedig WismarsTheaterlebenNeues Buch aus Wismarer Geschichte

Wismars Theaterleben zwischen Beifallsstürme, Hochrufe und Lorbeerkränze

 

Über Wismars Theaterleben vom Kaiserreich zur Weimarer Republik schreibt Christian Roedig im neusten Buch aus der Geschichte der Hansestadt. Das Buch ist im lokalen Buchhandel und direkt im Archiv für 15 Euro käuflich zu erwerben.

Damit ehrt die Stadt einen großen Wismarer, den die meisten (noch) nicht kennen werden. „Mein Onkel“, erzählt der Autor Christian Roedig, Gymnasiallehrer und Herausgeber von Schulbüchern, Geschichtswerken und didaktischen Hilfsmitteln. Wie ein Würzburger dazu kommt, einem Wismarer viel Recherche und als Ergebnis ein ganzes Buch zu widmen, dass dann noch vom Wismarer Archivverein als so interessant empfunden wird, dass der Druck ermöglicht wird, ist einfach.

Von 1913 bis 1920 wurde das Wismarer Schauspielhaus – damals noch als imposanter Bau an der Mecklenburger Straße – von einem homosexuellen Paar geleitet. „Heinrich Alberts, mein Onkel, war damals 27 Jahre alt“, erzählt der Buchautor. Ein „Familiengeheimnis“ umgab den Bruder seiner Großmutter väterlicherseits. Mit Fritz Bartsch an seiner Seite wurde aus dem „Provinztheater“ eines mit Sommer- und Winterspielzeit, dazu mit einer Naturbühne am Wendorfer Strand. Und das mitten im ersten Weltkrieg. „Ich habe mich mit der Biografie von Alberts beschäftigt und bin auf sein tragisches Lebensschicksal gestoßen. Zuletzt war er 1935 Schauspieldirektor in Kiel. Dort wurde er von der Bühne weg von der Gestapo verhaftet“, fasst Christian Roedig zusammen. Am 18. Dezember erfolgte seine Überführung nach Berlin-Moabit, wo er sich - als Homosexueller verfemt und entrechtet - am 23. Dezember 1935 das Leben nahm. Einen Tag vor Heilig-Abend.
„In Kiel wird im März ein Stolperstein vor der Staatsoper für ihn verlegt“, so Christian Roedig. In Wismar wird das Buch helfen, die Erinnerung an den Mann aufrecht zu halten. „Nur wenige Fälle von Verfolgung durch die Nationalsozialisten aufgrund von Homosexualität sind so gut dokumentiert“, erzählt Christian Roedig.NHTheatergeschichte3Klein

Ihm ist es allerdings nicht allein darum gegangen, ihn als Opfer zu zeigen, sondern besonders als Schauspieler und Theatermann. Er hat den Lebensweg seines Onkels in den Archiven nachverfolgt, war im Bundesarchiv, im Heidelberger und Wismarer Archiv beispielsweise. „In Wismar habe ich einen einmaligen Fund gehoben - in keinem anderen Archiv habe ich so viel über das Theater vor Ort gefunden wie in Wismar“, ist er immer noch begeistert. „Es ist unbestritten, dass die beiden in Wismar ihre glücklichste und erfolgreichste Zeit verbrachten.“

In der Familie Roedig waren die Zusammenhänge unbekannt, Christian Roedig wusste nur, dass der Großmutter von der Gestapo verboten wurde, über den Vorfall zu sprechen. „Man hat ihr gesagt, er war kriminell und hatte Schulden. Sie hat sehr unter seinen Selbstmord gelitten“, so Christian Roedig.

Sieben intensive Jahre Wismarer Theatergeschichte mit der Geschichte über einen vielseitigen Charakterdarsteller und mutigen Theaterdirektor, der auch dem Streit mit den Nationalsozialisten nicht aus dem Weg geht.

 

Infokasten:

Möglich gemacht wurde das Buch dank einer Druckkostenspende vom Wismarer Archivverein, der Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar und des Unternehmens „Bauer-Immobilien“.Wir danken, dass so Wismarer Geschichte am Leben erhalten werden kann.