3. KW Wismarer Beiträge

In der 3. Kalenderwoche machen wir beim LockdownLeseFest Werbung zum Weiterlesen ;-)
Es lohnt sich!

 

Jubiläumsheft der „Wismarer Beiträge“


„Es ist etwas explodiert“, schmunzelt Stadtarchivar Dr. Nils Jörn mit Blick auf die über 300 Seiten des neusten Hefts der „Wismarer Beiträge“. „Wir hätten auch Stoff für 500 Seiten gehabt!“

1984 erschien das erste Heft der beliebten Reihe aus dem Stadtarchiv. 2019 zeigen die beiden Bilder auf der Vorder- und Rückseite des Heftes, wie die Stadt sich seit dem verändert hat. Auf den jeweiligen Innenseiten sind die Bilder der unsanierten Häuser am Ziegenmarkt und am Lohberg zu sehen.

„Wir sind besonders froh, dass zwei der damaligen Schreiber immer noch oder jetzt wieder dabei sind beim nun 25. Heft“, dankt Nils Jörn den beiden „Urgesteinen“ Rainer Däbritz und Matthias Schubert. Rainer Däbritz war mit seinem maritimen Wissen bei fast jedem der 25 Hefte dabei. Nun schreiben beide unter anderem über die Anfänge der Schriftenreihe.

„Das Archiv der Hansestadt Wismar gestern, heute und morgen“ sind die nächsten Aufsätze überschrieben. „Das Stadtarchiv ist vor 20 Jahren in diesen Neubau gezogen“, erzählt Nils Jörn. Und lobt seinen Vorgänger: „Das ist der Verdienst von Gerd Giese, dass wir so gute Bedingungen haben!“ Bedingungen, von denen andere Archive nur träumen können. Fotos beispielsweise aus der „Bodenkammer“ im Rathaus mit dem Verwaltungsarchiv zeigen die Situation vorher.

Mitarbeiter des Archivs schreiben über ihre Bestände und Themen. Karl-Heinz Steinbruch berichtet von der Neuverzeichnung der Ratsakten bis 1945, Mara Geyer schreibt von den Ratsakten aus der Zeit der DDR und Christine Tank über das Verwaltungsarchiv.

Patricia Settgast schreibt über die Sammlung des Archivs, Doreen Piper über die Digitalisierung des Bestands, Anja Laasch über „Transkribus“ und Nils Jörn über das anstehende Jubiläum 800 Jahre Wismar.

„Transkribus“ ist ein europaweites Projekt zur Texterkennung von historischen Handschriften mittels eines lernenden Computersystems. Das, was Historiker und Archivare sonst mühsam mit Lupe, viel Zeit und Erfahrung machen, lernt das Programm Stück für Stück, egal ob mittelalterliche Sauklaue oder Sütterlin.

Das Wismarer Archiv und das Greifswalder Universitätsarchiv wollen zusammen 257.000 Seiten handschriftliche Seiten aus der Zeit zwischen 1561 und 1893 digitalisieren und transkribieren. Antje Laasch beschreibt den Prozess sowie das Programm und hat für den interessierten Leser natürlich einen Originaltext inklusive Transkription im Heft.

Mehr als ein Dutzend Aufsätze erzählen von aktuellen Forschungen zur Stadtgeschichte Wismars. Anette Löffler schreibt über mittelalterliche Handschriftfragmente, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert oftmals als Einband, Falzverstärkung, Deckelbeklebung und ähnliches „recycelt“ wurden und so die Jahrhunderte überdauerten. Die Fachfrau, die deutschlandweit zum Thema forscht, untersucht die Wismarer Fragmente.

Reformation in Wismar, die Ehre der Wismarer Stadtmusikanten im 17. Jahrhundert, Familienforschung, Wendorf vor 1945, die Abrafaxe in Wismar, Wismarsche Reedereien, den begehrten Wismarer Studenten, der Vertreibung jüdischer Dozenten von der Ingenieur-Akademie Wismar – die Themenliste ist lang und entsprechend dick das Buch.

Andreas Röpke schreibt über Heinrich den Pilger und seinem Weg von Wismar ins „gelobte Land“, Martin Espenhorst über den Aufklärer, Juristen, Dichter, Übersetzer und Europavisionär Johann Franz von Palthen (1725-1804). Der Jurist arbeitete am „königlich-schwedischen Hohen Tribunal zu Wismar“ und ist fast vergessen. „Zu Unrecht“, so Dr. Jörn.

Das Buch gibt es im Wismarer Buchhandel und direkt im Archiv für 20 Euro.