7. KW Kapitän Ost & West

Ehemaliger Kapitän schreibt über Seefahrt in Ost und West


„Nie hätte ich gedacht, dass sich die Verwirklichung meines Kindheitstraumes, Kapitän zu werden, so lang, schwierig und kompliziert gestalten würde“, erzählt Knut Freiwald aus Rambow von seinem eigenen Kindheitstraum. Den hatte er schon in der heimatlichen Lausitz.

Er erzählt vom ersten Lehrjahr, 1966 an Bord des Fracht- und Ausbildungsschiffs „Theodor Körner“. Knut Freiwald ist 40 Jahre zur See gefahren – 23 Jahre unter Flagge der DDR, dann in Auftrag einer Hamburger Reederei. Den Traumberuf Kapitän konnte er sich erst im Westen erfüllen.

Aber von vorne – Knut Freiwald hat seine Erinnerungen und Seemannsgeschichten aufgeschrieben. Eigentlich nur für die Familie, aber mit Jürgen Ruszkowski und seiner „Gelben Reihe“ voller maritimen Geschichten hat er einen dankbaren Verleger gefunden für diese ungewöhnliche Geschichte zwischen Ost und West.

39 Jahre dauerte es, bis Knut Freiwald erstmals als Kapitän eines Schiffes an Bord ging – das war 2001 in Hamburg. Theoretisch hätte er schon zu DDR-Zeiten Kapitän werden können, er hat nach der Lehrzeit das Abitur nachgemacht, bis 1975 studiert und danach Seemeile um Seemeile und Monat um Monat in den verschiedenen Positionen auf den verschiedenen Schiffen verbracht.

„Da er sich den Werbungen der „Firma Horch und Guck“ verschloss, blieb ihn trotzt fachlich guter Leistungen und SED-Parteizugehörigkeit die Beförderung zum Kapitän verwehrt“, heißt es im Anriss des Buches. „Ich habe bei gewissen Sachen nein gesagt“, kommentiert Freiwald. Im Ergebnis wurde er zurückgestuft und verlor den „Sichtvermerk“. „Ich habe immer nach meinem Gewissen gehandelt.“

Den Kindheitstraum Kapitän konnte er sich erst als 51-Jähriger erfüllen. „Deshalb kann ich unseren Jugendlichen, die gerade vor der Frage stehen, was will, was soll ich werden, nur raten: Haltet fest an euren Träumen. Auch wenn die Verwirklichung nicht leichtfällt und es manchmal ein langer Weg ist. Aber es lohnt sich.“

So beginnt sein Buch auch mit seinem ersten Anlauf des Hamburger Hafens in dieser verantwortungsvollen Position und dann noch ohne funktionierenden Kreiselkompass – seine Beschreibung ist nicht nur für alte Seebären spannend.

Und zwischendurch, in diesen vier Jahrzehnten, hat er mehr erlebt als auf 228 Seiten Buch passen. „Das sind so viele Geschichten, wenn ich erst einmal anfange zu erzählen! Es war eine schöne Zeit, aber auch anstrengend. Ich möchte sie nicht missen!“

Er erzählt von seiner ersten Charterreise von Rostock über Bahia Blanca nach Oslo mit dem MS „Freiligrath“. „Ich war als dritter Offizier für die Karten verantwortlich.“ Und zu DDR-Zeiten kamen aus „Kostengründen“ nur die Karten für das Einsatzgebiet an Bord. Und kaum losgefahren, wurde die Route geändert, natürlich ohne entsprechendes Kartenmaterial.

Die Navigation war mit Riffen vor der Küste nicht ungefährlich. Über den Satz des damaligen Kapitäns kann Knut Freiwald inzwischen mit der eigenen Erfahrung schmunzeln. Ansteuern ohne Karte: „Wenn Sie die anderen Schiffe auf dem Radar sehen, einfach mitten ins Rudel reinhalten!“

Knut Freiwald schreibt unter anderem von seiner Zeit als Vollmatrose auf dem Massengutfrachter „Thale“, vom Motortanker „Zeitz“, von der Studienzeit in Wustrow und Warnemünde, vom Grundwehrdienst, Werftzeiten und Unfällen auf See. Dann die Wende – er wird wieder Seemann, hat Grundberührung im Suezkanal, ist im Taifun und wird Kapitän.

Immer wieder Geschichten, die „Landratten“ und Seebären gleichermaßen staunen lassen. Beispielsweise seine erste Reise als dritter Offizier. Vorher ist Knut Freiwald immer Massengutfrachter gefahren mit ihren gemütlichen elf bis 13 Knoten.

„Auf einmal bin ich auf einem Bananenjäger mit 21 Knoten und mehr losgebrettert“, erzählt Knut Freiwald. Der Kapitän hatte ihm gerade das Kommando übergeben. Auslaufend Hamburg nach Lotsenabgabe merkte er den Unterschied bei den Geschwindigkeiten deutlich: sein Kommando „Ruderlage Steuerbord 15 Grad“ führte zu Hektik auf der Brücke und einem Kapitän, der ganz schnell wieder vor Ort war. „Das Schiff legte sich auf die Seite!“ Zum Glück ist alles gut gegangen, mit dem Schiff vor Hamburg und dem Kindheitstraum sowieso.

Das Buch „Seefahrt in zwei deutschen Staaten – Ein Kapitän erzählt“ gibt es als Taschenbuch und digital zu kaufen. Die ISBN lautet: 9783753133980

(Der Text von Nicole Hollatz erschien in der OZ)