2013 - 10 Oktober

 

Eine Wismarer Kaufmannsgeschichte von 1822 bis 1953

 

Am 15.10. um 19 Uhr laden Archiv und Archivverein wieder zur "Archivalie des Monats". Die gelten in diesem Monat der französischen Zeit Wismars. Die Archivalien sind dieses mal kleine Zinnsoldaten von Käptn Däbritz, mit denen er den Auszug der Franzosen aus Wismar nachgestaltet hat, dazu das Deckblatt der Chronik des Wismarer Superintendenten Eyller, in der er über die Franzosenzeit in Wismar berichtet. In den Jahren 1806-1813 wird Wismar mehrmals von französischen Truppen besetzt. Ein Jahrzehnt später schließt dort der Abendvortrag unter der Überschrift "Eine Wismarer Kaufsmannsgeschichte von 1822 bis 1953" an. Den wird Ursula Burhorn aus Lübeck halten, bis 1953 lebte die geborene Michaelis in Wismar.

Der Name „Michaelis“ ist bekannt in der Hansestadt: seit 1648 gab es eine Weinhandlung mit diesem Namen in der Stadt. Im Krieg zog die geborene Michaelis in das Haus des Onkels, dem "Weinberg", dem bekannten Restaurant und Einzeldenkmal, das gerade aufwändig saniert wird. Ursula Burhorn hat in den letzten Jahren ihre Familiengeschichte und damit die der Weingroßhandlung aufgearbeitet. „Johann war mein Großvater“, erzählt die Lübeckerin. Die Brüder Gustav und Johann hatten 1891 den Familienbetrieb der Weinhandlung übernommen, gerade mal 22 und 23 Jahre alt. 1953 musste die Familie aus Wismar fliehen – dem Vater wurde seine Mitgliedschaft in der NSDAP vorgeworfen. Dass Ursula Burhorn die Geschichte der eigenen Familie nun aufarbeiten konnte, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken. Nach der geglückten Flucht kamen die Unterlagen – zwischen Geschäftsbriefen und dem privaten Inhalt der Schreibtische – der Familie ins Stadtarchiv. Dort verblieben sie bis nach der Wende. 2009 hat Ursula Burhorn die privaten Unterlagen zurück bekommen, während sie die geschäftlichen Dokumente für weitere Forschungen im Archiv beließ.

Der Eintritt kostet wie immer für Nichtmitglieder drei Euro, Mitglieder kommen kostenlos (aber nicht umsonst!) zum Abendvortrag ins Archiv. Der Eingang ist in der Gerberstraße.