2015 - 5 Mai

Auf den Spuren einer geheimnisvollen Rettungsaktion im Stadtarchiv

Die „Weißen Busse“ sollen auch durch Wismar gefahren sein

 

Rund 15.000 überwiegend norwegische und dänische Häftlinge aus den deutschen Konzentrationslagern wurden ab März 1945 mit den „Weißen Bussen“ gerettet und in Aktionen mit höchster Geheimhaltung in Sicherheit gebracht. Auch durch Wismar müssen die weiß gestrichene und mit dem Rot-Kreuz-Zeichen markierte Fahrzeuge unter schwedischer Flagge gefahren sein. Am 11. Mai wird die Schwerinerin Dr. Helga Niet mit Interessierten auf Spurensuche gehen und im Wismarer Stadtarchiv über die bisherigen Ergebnisse ihrer Forschungen berichten.

„Die Busse sind über Zurow nach Wismar gefahren, wahrscheinlich über Dorf Mecklenburg“, erzählt die Referentin. Im Wismarer Krankenhaus sollen die befreiten KZ-Häftlinge versorgt worden sein, bevor es weiter Richtung Lübeck ging. Die Spurenlage ist schwierig, selbst im Wismarer Stadtarchiv hat Dr. Helga Niet bisher vergeblich nach Beweisen gesucht. Sie hofft immer wieder auf Zeitzeugen, die die Lücken schließen können.

Zum Hintergrund: im Februar 1945 verhandelten Vertreter aus Schweden mit Heinrich Himmler über eine Rettung internierter Skandinavier. Das Ergebnis war die Aktion „Weiße Busse“, Mitte März rollten die ersten Kolonnen aus den deutschen Konzentrationslagern Richtung Friedrichsruh, östlich von Hamburg. Von dort aus wurden die Menschen nach Schweden gebracht. Dr. Helga Niet: „Am 15. März fuhr die erste Kolonne nach Sachsenhausen, der bis zum 29./30. April noch viele in alle Konzentrationslager folgten. Im Bereich des heutigen Mecklenburg-Vorpommern waren das Ravensbrück, Neubrandenburg, Malchow und das Zuchthaus Bützow.“

Himmler lässt nach weiteren Verhandlungen auch zu, dass 1000 jüdische Frauen auf diesem Wege gerettet werden können. Das Ergebnis war eine der größten Hilfsaktionen des Schwedischen und Dänischen Roten Kreuzes in Mecklenburg - Vorpommern und Ravensbrück. Ein Zug mit 50 Güterwagen wurde von der Deutschen Reichsbahn beschafft, in jedem hatten theoretisch 60 Menschen Platz. „Insgesamt waren es 3 989 Frauen, die nach vier Tagen abenteuerlicher Fahrt am 29. April 1945 im Bahnhof von Lübeck ankamen.“

Dr. Helga Niet forscht, liest die wenige skandinavische Fachliteratur, recherchiert in den Archiven der Länder. Und befragt Zeitzeugen, beispielsweise in Dorf Mecklenburg. „Es ist aber schwierig, in der damaligen Zeit herrschte ein absolutes Chaos. Die Deutschen haben sich die Kennzeichnung der schwedischen Busse zu Nutze gemacht und eigene Fahrzeuge so gekennzeichnet. Die Tiefflieger der Alliierten haben nicht unterscheiden können und so auch die Busse unterwegs angegriffen, es gab Tote und Verletzte.“

Der Vortrag am 11. Mai im Wismarer Stadtarchiv (Eingang Gerberstraße) beginnt um 19 Uhr, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt kostet für Nichtmitglieder des Archivvereins drei Euro für den guten Zweck.