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Abendlicher Friedhofsspaziergang im Stadtarchiv

 

Zu einem historischen Spaziergang über den Wismarer Friedhof laden der Wismarer Archivverein, das Stadtarchiv und Grit Schaller-Uhl, die Leiterin der Friedhofsverwaltung, am 12. Januar um 19 Uhr ein. Keine Angst, statt Frostbeulen und Dunkelheit auf dem Friedhof gibt es Wein und eine warme Stube beim Vortrag im Archiv in der Hansestadt in der Gerberstraße.

Grit Schaller-Uhl wird von der Geschichte des Friedhofes erzählen, mit historischen und aktuellen Bildern zeigen, wie der Ort und die Kultur dahinter sich entwickelt haben. Angefangen vom umsichtigen Bürgermeister Anton Johann Friedrich Haupt (1800-1835). 1832 wurde auch auf Initiative Haupts der neue Friedhof vor den Toren der Stadt geweiht – bis dato war es usus, sich in der Stadt vor den Kirchenplätzen bestatten zu lassen. Ein Unding gerade angesichts der Cholera. Drei Jahre später wurde Haupt selbst dort beigesetzt. Friedhof4

Haupt ist nur einer der Wismarer „Promis“, die an der historischen Stätte ihre letzte Ruhe gefunden haben. Mittlerweile weisen gut 20 Stelen die oft längst neu belegten Grabstellen aus. Beim Vortrag können die Gäste der Referentin virtuell über den Friedhof folgen. Dabei wird Grit Schaller-Uhl manch einen Schatz heben. Beispielsweise den, den Carl Otto Czeschka den Wismarern hinterlassen hat. Der Maler und Gebrauchsgrafiker Carl Otto Czeschka (1878-1960) wurde 1907 aus dem heimatlichen Wien nach Hamburg als Professor an die Kunstgewerbeschule berufen, vermutlich nach seiner Pensionierung entstanden in den 1940er Jahren die Entwürfe für das große Rundfenster der Wismarer Friedhofskapelle. Ein Vogel über Feuer. „Ein Phoenix, in einem früheren Entwurf ist das auch deutlicher zu sehen“, so Grit Schaller-Uhl. Drei Entwürfe hatte der Künstler für das Fenster gemacht, neben dem ausgeführten und somit bekannten Entwurf ist ein weiterer erhalten geblieben.

Im Wismarer Stadtarchiv sind beispielsweise auch mehrere Mappen mit Plänen vom Friedhof mit seinen Erweiterungen erhalten geblieben, darunter auch Entwürfe und manch ein Kuriosum wie beispielsweise der mit dem Grundriss vom Leichenhaus – neben Leichenzimmer und Sezierzimmer war dort auch Schlafstätte und gute Stube des Leichenwärters eingezeichnet – das waren andere Zeiten.

Genauso wie 1942. Aus dem Jahr ist ein Friedhofsplan überliefert mit einer Gedenkstätte für die „Opfer der Arbeit“. „Das habe ich noch nie gesehen“, so Grit Schaller-Uhl über den Zufallsfund im Archiv. An welche Opfer die damaligen Planzeichner mitten im nationalsozialistischen Wismar zu der Zeit dachten, muss vorerst offen bleiben. Also ein spannendes Vortrags- und Forschungsthema. Wer mehr über die fast 185jährige Geschichte des Friedhofes erfahren möchte, dem sei der Vortrag am 12. Januar um 19 Uhr im Stadtarchiv empfohlen, der Eintritt ist für Mitglieder des Archivvereins frei, alle anderen zahlen drei Euro für den guten Zweck.