2016 - 4 Bodendenkmalpfleger

Auf der Suche nach den verlorenen Schätzen:

Ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger berichtet von den Funden aus der Region

 

Kein „Indiana Jones“, dafür viel Wissenschaft, etwas Intuition und noch mehr Ehrenamt: Uwe Balscheit ist der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger für Wismar und das Umland. Am 5. April um 19 Uhr wird er im Wismarer Stadtarchiv über seine Arbeit und vor allen Dingen natürlich die Funde sprechen.

Seit mehr als 25 Jahren gehört Uwe Balscheits Freizeit der Bodendenkmalpflege, hauptberuflich ist er Ausbilder im Metallbereich. Im Auftrag der Landesregierung geht er mit dem Metalldetektor über die Felder und sucht das, was durch das Pflügen an die Oberfläche gekommen ist oder was der Herbststurm an die Ostseeküste gespült hat.

Fast jedes Wochenende ist er so unterwegs. Erfolgreich, wie der Vortrag zeigen wird. „Es geht um Funde aus der Steinzeit, der Bronze- und Eisenzeit, aus der Wikinger- und Slawenzeit“, zeigt er die ersten Fotos. Zu jedem Stück könnte er einiges erzählen, angefangen von den Umständen, von den Datierungen und den Theorien, die zum Stück unter den Bodendenkmalpflegern bis zur wissenschaftlichen Untersuchung dann entstehen.

Die Liste der Funde, die auf das Konto von Uwe Balscheit gehen, ist lang. „Man findet immer etwas“, erzählt er und lacht. „Und wenn es nur eine neuzeitliche Fischdose ist.“ Oft hilft der Zufall, wenn bei Bauarbeiten etwas an die Erdoberfläche kommt oder der Bauer auf dem Feld stolpert. Mit Glück werden die Fachleute angerufen, mit Pech landet der Fund in der heimischen Vitrine. Mit noch mehr Pech wird er achtlos weg geworfen.

Balscheit und seine Kollegen ziehen nicht wahllos los, sondern mit dem Wissen, wo unsere Vorfahren gesiedelt haben (könnten) oder wo es schon einmal Funde gab. Und immer unter einer gewissen Geheimhaltung – genaue Orte werden nicht verraten. Zu groß ist die Angst vor Schatzjägern, die auf das schnelle Geld mit ein paar alten Münzen oder etwas Gold hoffen. Für Uwe Balscheit und seine Kollegen ist eine bronzezeitliche Sichel aus Stein genauso viel wert wie der Silbermünzfund mit 1600 Stück. Die Sichel ist übrigens immer noch scharf!

„Wir sind immer die rechte Hand der Archäologen“, erklärt er den wissenschaftlichen Ansatz. „Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern über 300 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, die meisten sind mit Metalldetektoren ausgestattet und finden so viel mehr als die Offiziellen“, erzählt er. Das Problem: „Das Land kommt nicht mit den Restaurierung hinterher, es fehlt an staatlichen Geld.“ Und an der Möglichkeit, die beeindruckenden Funde auszustellen (siehe Infokasten).

Highlights unter den Funden Balscheits gibt es viele, er hat im vergangenen Jahr das letzte Puzzlestück zum Bronze-Schwert von Blengow gefunden. Eine archäologische Sensation aufgrund der Geschichte des Fundes: insgesamt drei Finder bargen über einen Zeitraum von 56 Jahren sechs Schwertfragmente auf einer Fläche von 30 mal 30 Metern, die nahtlos zusammenpassen! Das Schwert wird im Heimatmuseum Rerik ausgestellt. „Seine“ Plattenfibel ist in Groß Raden zu sehen.

Ein Highlight ist das Stück eines reich verzierten Helms, vermutlich aus dem 8. Jahrhundert nach Christus. Fundort: natürlich geheim. „Das Motiv ist wikingerzeitlich, wir hoffen, noch den Rest des Helmes zu finden“, schwärmt er mit strahlenden Augen. „Es gibt bisher keinen vergleichbaren Fund.“ So etwas zu finden gäbe einen Adrenalinschub. „Wenn man weiß, dass man wieder eine Seite im Buch der Geschichte der Region aufgeschlagen hat.“

 

Infokasten:

„Zu schade fürs Depot!“ - unter diesem Credo gibt es die „Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum (IPAL)“, auf der Webseite www.ipal-mv.de gibt es nicht nur weitere Informationen, sondern auch die Fotos vieler herausragender Funde, die nicht nur jeden historisch Interessierten aufmerken lassen werden, sondern auch viel zu schade fürs Depot sind!

Wenn jemand ein Stück findet, dass historisch wertvoll sein könnte, sollte das Landesamt für Archäologie informiert werden. Bodendenkmale (also Funde) müssen heraus gegeben werden, sonst drohen Anzeigen wegen Unterschlagung. Telefon: 0385-58879111.

Der Vortrag am 5. April beginnt um 19 Uhr, der Eintritt kostet drei Euro zugunsten des Archivvereins.