2017 - 2 Vortrag Glocken

Vortrag über die Wismarer Kirchenglocken in St. Nikolai

 

Am 21.2. um 19 Uhr wird Claus Peter in der Winterkirche von St. Nikolai über die Glocken der Wismarer Kirchen sprechen. Der Wismarer Archivverein hat den Glockenfachmann eingeladen.

„Die Glocken der Wismarer Kirchen und ihre Geschichte“ ist das neuste Buch von Claus Peter. Der 70-Jährige aus dem westfälischen Hamm ist Glockensachverständiger für die Westfälische Landeskirche und das dortige Amt für Denkmalpflege. „Da es in Mecklenburg-Vorpommern so ein Amt nicht gibt, habe ich seit dem Fall der Grenze immer wieder hier ausgeholfen“, erklärt er.

Eigentlich ist er Lehrer mit dem Hauptfach Musik, 2015 hat er, längst Rentner, seine Dissertation zum Thema Glocken fertig gestellt. Das Wismarer Glockenbuch wurde Ende 2016 fertig. „In St. Marien gibt es 13 historische Glocken, in ganz Norddeutschland gibt es keinen Turm, der so viele historische Glocken hat“, schwärmt er von Wismar. Als historisch und denkmalwert bezeichnet er die, die vor dem ersten Weltkrieg entstanden sind, die also beide Weltkriege überstanden haben. Das ist, so Claus Peter, etwas besonderes. Denn im ganzen Land wurden während der beiden Weltkriege die Glocken aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die logischerweise sehr wertvoll waren, als geringstwertig eingestuft. Ein politisches Signal angesichts von Pastoren und Kirchenoberen, die beispielsweise selbst interne Post mit „Heil Hitler“ unterschrieben. „Deswegen sind so wenige Glocken aus der Zeit erhalten“, erklärt Claus Peter. Manch eine der Wismarer Glocken hatte allerdings Glück: im Hamburger „Glockenfriedhof“ fiel oftmals auf, dass die Glocken falsch klassifiziert waren. „Sonst wäre auch die große Glocke in St. Nikolai weg“, berichtet Claus Peter weiter aus seinen Forschungen.

Aber: zwei der Glocken, die aus Hamburg zurück kamen, wurden 1963 eingeschmolzen. „Die letzte aus der Georgenkirche und eine aus dem Schwarzen Kloster.“ Claus Peter: „Insgesamt gibt es in den Wismarer Kirchtürmen noch 20 solcher historischen Glocken.“ Das ist, so der Fachmann, vergleichsweise viel. „Aber es gibt in Wismar recht selten noch mittelalterliche Glocken, in St. Marien hängen noch drei aus dem Mittelalter.“ Eine Glocke in Heilig-Geist ist auch aus dem 15. Jahrhundert. Die in Nikolai sind jünger durch den Turmsturz.

Claus Peter kann zu jeder dieser Glocken ihre Geschichte erzählen. Denn gerade für Wismar ist die Quellenlage recht gut dank der erhaltenen Kirchenrechnungen, auf denen nicht nur steht, was welcher Handwerker an Lohn bekommen hat, sondern auch, was er dafür geleistet hat.

„Über 30 Glockengüsse haben für die Wismarer Kirchen vom späten 16. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert stattgefunden. Viele davon sind bis ins letzte Detail in den kirchlichen Rechnungen nachgewiesen“, erklärt Claus Peter. „Für Wismar kennen wir drei, vier Glockengießer im 16. und 17. Jahrhundert.“ Hans Brandt hat wenige kleine Glocken gegossen, sein Kollege Adam Dankwardt taucht in einer Parchimer Chronik auf, dort hat er Anfang des 17. Jahrhunderts eine Glocke gegossen. Die Brüder Gert und Klaus Bincke aus Wismar haben zahlreiche Glocken für die Region gegossen. „Die Größte mit 2,5 Tonnen für Schönberg, auch für die Pfarrkirche in Güstrow müssen sie zwei größere gegossen haben, aber sind nicht erhalten.“ In Wismar sind noch zwei von ihnen in St. Marien erhalten.

Der Eintritt zum Vortrag am 21. Februar um 19 Uhr in der Winterkirche von St. Nikolai ist frei, um Spenden wird gebeten.

 

Glockenbuch:

Für 15 Euro gibt es das Buch „Die Glocken der Wismarer Kirchen und ihre Geschichte“ in St. Nikolai und im Wismarer Stadtarchiv. Claus Peter beschreibt darin die Glocken in einer mittelalterlichen Stadt, den liturgischen Gebrauch der Glocken und natürlich die Glocken, die in den Wismarer Kirchen hängen und hingen bis hin zu denen in der ehemaligen Dominikaner- und Franziskanerkirche. Dazu beschreibt er die Wismarer Glockengießer und die, die von auswärts kommend für die Wismarer Kirchen gegossen haben. Viele aktuelle Detailfotos zeigen beispielsweise, was der Kirchgänger sonst nicht sehen kann – die Inschriften in den Glocken. Oder wie sieht beispielsweise das Turmuhrwerk von St. Marien aus? Dazu kommen historische Fotos, beispielsweise von den Glocken oder der astronomischen Uhr in St. Marien.