2017 - 4 Luisa Rahdos

Spannende Masterarbeit beleuchtet die Entstehungszeit Wismars Masterarbeit-beleuchtet-Entstehungszeit-der-Hansestadt

 

„Vom portus Wissemer zur Hansestadt Wismar - Untersuchungen zur Stadtentstehung Wismars im 13. Jahrhundert auf Grundlage der archäologischen Quellen“ heißt das neuste Buch, das gerade in der Reihe „Findbücher, Inventare und kleine Schriften“ im Archiv der Hansestadt Wismar erschienen ist.

Autorin Luisa Radohs hat in ihrer Masterarbeit im Masterstudiengang „Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit“ in der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg erstmals viele der Funde der Archäologen in Wismar ausgewertet.

„Seit dem ich 14 Jahre alt bin, helfe ich bei Grabungen im Landesamt für Denkmalpflege“, erzählt die Archäologin aus der Nähe von Greifswald. In Kiel hat sie ihren Bachelorabschluss gemacht, den Master dann in Bamberg mit dem Wismarer Thema. „So gut wir durch den erhaltenen Bau- und Denkmalbestand, schriftliche Quellen und materielle Hinterlassenschaften über verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte unterrichtet sind, liegen die Anfänge und ersten Jahrzehnte Wismars größtenteils im Dunkeln“, begründet Luisa Radohs. In Wismar gäbe es zahlreiche Grabungen. Wissenschaftlich ausgewertet werden wenige. „Ausgrabungen in Wismar werden in der Regel baubegleitend durchgeführt“, so die Fachfrau. Der Nachteil: Zeitdruck und das „Ausschnitthafte“. Das, was der Baustellenbagger sonst unwiderruflich zerstören würde, wird vorher schnellsmöglich dokumentiert. Luisa Radohs: „Forschungsfragen stehen bei Notgrabungen bekanntlich nicht im Vordergrund.“

Luisa Radohs hat für ihre Magisterarbeit Grabungsdokumente ausgewertet.. „Wenn Ausgrabungen stattfinden, werden die Funde beschrieben und dokumentiert“, erklärt sie. Das Ergebnis ist ein grundsätzlicher Überblick – was wurde bisher aus den 12. und 13. Jahrhunderten in Wismar gefunden, welche schriftlichen Quellen gibt es? Gut 340 „Fundplätze“ sind im Wismarer Stadtgebiet bekannt. Über 470 dendrochronologische Datierungen stammen in Wismar aus dem 13. Jahrhundert, 37 können in das 12. Jahrhundert eingeordnet werden.

Wie sah Wismar in seiner Anfangszeit aus, welche geografischen Veränderungen gab es durch die Besiedlung, war die Grube ein natürlich, vielleicht sogar beschiffbarer Wasserlauf? Wo befand sich die älteste Stadtbefestigung, wo das „Castrum Wysmaria“, die fürstliche Burg, wo war der erste Hafen der Stadt? Luisa Rahdos fasst mögliche, wahrscheinliche und wissenschaftlich belegte Antworten auf diese und weitere Fragen zur Entstehungszeit Wismar zusammen.

„Die Frage nach dem ältesten Hafen ist spannend“, erklärt Luisa Radohs. Sie ist der Überzeugung, dass er auf der anderen Seite der Stadt in der Nähe des Rostocker Damms, bei der jetzigen Gartenkolonie lag. Ihre Erklärung, wieso der Hafen dort nicht lange Bestand hatte: „Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurde das Wasser der Wisssemara durch den Bau eines Dammes im Bereich der heutigen Rostocker Straße für den Betrieb von Wassermühlen aufgestaut.“ Der Mühlenteil entstand, die Wisssemara war nicht mehr beschiffbar, der mögliche frühere Binnenhafen abgeschnitten. Weiteres könnten nur große archäologische Untersuchungen belegen.

 

 

Infokasten:

Aus dem Jahr 1167 stammt eine Urkunde, die von Wasserlauf „Wissemara“ berichtet, 1209 bestätigt Kaiser Otto IV den Schweriner Bürgern, dass sie im „Wissemer“ genannten Hafen zwei große Schiffe und beliebig viele kleinere Schiffe für den Handel halten dürfen. „Wie der Hafen zu charakterisieren ist, pb es sich um einen einfachen Ankerplatz oder möglicherweise sogar im einen Handelsplatz handelte, geht aus der Urkunde ebenso wenig hervor, wie die genaue Lage des Hafens, dessen Ausdehnung und Ausstattung sowie die Frage nach der Existenz einer angeliederten Siedlung.“ Eine Gründungsurkunde ist nicht überliefert, 1229 legt eine Schenkungsurkunde an die Wismarer Bürger nahe, dass es die Stadt als solches schon gegeben haben muss.

Das Buch gibt es im Stadtarchiv zu kaufen.

Nicole Hollatz