Arthur Eulert

Wieso tötete Stadtbaumeister Arthur Eulert seine Kinder?

 

Der frühere Stadtbaumeister (1890 -1946) wird heute noch für seine Leistungen in der Architektur geehrt. Eine Zeitzeugin berichtet, dass er seine Kinder getötet und seine Frau schwer verletzt hatte.


Anneliese Köhn liest jeden Tag die Ostsee-Zeitung. So auch am Mittwoch. Dort fiel ihr zuerst ein kleines Bild ins Auge. „Ich habe ihn sofort erkannt“, erzählt die 75-jährige Wismarerin: Arthur Eulert (1890-1946), bekannter Wismarer Stadtbaurat und Künstler. Heute Abend ist er mit seiner Kunst Vortragsthema beim „MuseumsWinter“.
Wenn Anneliese Köhn über Eulert spricht, ist sie immer noch schockiert. Nach mehr als 65 Jahren. „Mit neun Jahren hatte ich eines der schrecklichsten Erlebnisse meines Lebens“, erzählt sie. Bilder, die sie nie wieder losgeworden ist. Sie wohnte seit 1945 mit Mutter und Tante in der Altwismarstraße. „Herr Stadtrat Eulert wohnte ebenfalls mit seiner Frau und den fünf Kindern in diesem Haus“, erinnert sie sich. Mit den älteren Kindern spielte sie manchmal im Hausflur, aber nur, wenn der Vater nicht da war. „Wir hatten alle Angst vor Arthur Eulert.“
Sie weiß noch, dass erzählt wurde, Eulert wäre Mitglied der Nazipartei gewesen und nun die Bestrafung der russischen Besatzer fürchtete. Dann kam die Nacht, die Anneliese Köhn beschreiben kann, als wäre sie gestern gewesen. „Es kam dazu, dass er - ich glaube es war Anfang 1946 - seine vier Kinder eines Nachts mit dem Beil tötete.“ Eulerts Frau wollte die Kinder retten, wurde schwer verletzt und rettete sich zu den Nachbarn. „Es war alles voller Blut“, erzählt Anneliese Köhn. „Ihren Anblick werde ich nie vergessen, von der Stirn quer übers Auge hin zur Wange klaffte eine Wunde.“ Arthur Eulert legte ein Feuer, bei dem das fünfte Kind, das Baby, qualvoll erstickte. Er selbst erschoss sich. Das Löschwasser, das die Treppen herunterlief, war rosa verfärbt vom Blut, erinnert Anneliese Köhn sich.
„Und dann lese ich in der Zeitung, dass er auch das Gebäude der Feuerwehr, die das Haus gelöscht hat, gebaut hat“, schüttelt sie den Kopf. Viele ältere Wismarer, so ist sie sich sicher, müssen sich noch an die grausamen Kindsmorde erinnern. „Die Geschichte ging damals durch die ganze Stadt“, erzählt Anneliese Köhn. Sie hatte noch Jahre nach dem Erlebnis Angstzustände. „Frau Eulert wohnte nach der Genesung in der Krämerstraße. Wenn ich Frau Eulert später in der Stadt begegnete, bekam ich Panik, denn ihr Gesicht war von tiefen Narben gekennzeichnet. Wie mag es in ihrer Seele ausgesehen haben?“

 

Arthur Eulert ist vielen Wismarern ein Begriff. Als Stadtbaurat prägte er das Gesicht der Stadt seit 1920. Ob das Schabbellhaus an der Schweinsbrücke, in dem sich das Stadtgeschichtliche Museum befindet, oder das Zeughaus in der Ulmenstraße, viele Sanierungen der 1930er-Jahre wurden durch Eulert geprägt. Mit dem Neubau der Feuerwehr an der Frischen Grube setzte sich der Stadtbaumeister ein architektonisches Denkmal, seine zahlreichen Entwürfe und Fotografien dieser Baumaßnahme wurden 2011 erstmals ausgewertet. Eulerts grafische Arbeiten sind heute hoch begehrte Sammlungsobjekte. Das Wismarer Museum konnte 2011 ein umfangreiches Konvolut seiner Arbeiten neu in die Sammlung aufnehmen.

 

(Den Text hat Nicole Hollatz für die OZ geschrieben...)